Hoping und Tück sehen "Kompetenzverschiebung" durch Synodalen Weg

Theologen warnen vor Konfliktpotential zwischen Theologie und Lehramt

Aktualisiert am 06.07.2022  –  Lesedauer: 

Frankfurt am Main ‐ "Immer stärker beanspruchen Theologen zu entscheiden, was authentische Glaubensüberlieferung ist": Die Theologen Helmut Hoping und Jan-Heiner Tück warnen mit Blick auf den Synodalen Weg vor einer Kompetenzverschiebung zwischen Theologie und Lehramt.

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Die Theologieprofessoren Helmut Hoping und Jan-Heiner Tück warnen mit Blick auf den Synodalen Weg vor einer "Kompetenzverschiebung mit erheblichem Konfliktpotential" zwischen der akademischen Theologie und dem kirchlichen Lehramt. "Immer stärker beanspruchen Theologen zu entscheiden, was authentische Glaubensüberlieferung ist und was nicht, während dem bischöflichen Lehramt nurmehr die Rolle zugewiesen wird, den festgestellten authentischen Glaubens zu bezeugen", schreiben die zwei Theologen in einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Den Theologen werde zusammen mit dem Glaubenssinn der Gläubigen die Aufgabe zugewiesen, die geforderten Schritte für eine nachholende Selbstmodernisierung der katholischen Kirche in Deutschland gegenüber den Bischöfen durchzusetzen. "Bei der katholischen Kirche handelt es sich aber nicht um einen Zusammenschluss unabhängiger Nationalkirchen, die in Lehre und Disziplin ganz unterschiedliche Wege gehen könnten, sondern um eine Weltkirche, die in und aus Ortskirchen besteht und von der universalen Gemeinschaft der Bischöfe in der Einheit mit dem Bischof von Rom geleitet wird", so die Autoren weiter.

Appell für Neuausrichtung der Theologischen Fakultäten

Auch über den Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland hinaus sehen die Professoren "kognitive Dissonanzen" zwischen der Theologie und dem Lehramt der Kirche: "Im Namen der Wissenschaftsfreiheit gibt es verstärkt Emanzipationsbestrebungen weg vom kirchlichen Lehramt." Das sei einerseits verständlich, da es in der Geschichte wiederholt "lehramtliche Domestizierungen" gegeben habe, die das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Theologie und Kirche schwer belastet hätten. "Insofern hat die Theologie eine unerlässliche Korrektivfunktion gegenüber der Kirchenleitung", betonen Hoping und Tück, die in Freiburg und Wien Systematische Theologie lehren. Andererseits sei Wissenschaftsfreiheit in einer bekenntnisgebundenen Theologie anders zu buchstabieren als etwa in der Kulturwissenschaft.

In ihrem Beitrag sprechen sich die zwei Professoren darüber hinaus für eine schrittweise Neuausrichtung der Theologischen Fakultäten an den Hochschulen "mit Augenmaß" aus. "Die Strategie, sich für den Fortbestand der Theologischen Fakultäten auf die Schutzwirkungen der Konkordate und Staatskirchenverträge zu berufen, kann angesichts des Umbruchs der religiösen Landschaft auf Dauer nicht erfolgreich sein", betonen Hoping und Tück. Notwendig seien vielmehr eine Profilierung und Spezialisierung in Forschung und Lehre. Zudem bedürfe es stärkerer, auch struktureller Kooperationen in der universitären Religionsforschung. (stz)