Verband reagiert auf Interviewaussagen von Franziskus

Frauenbund widerspricht Papst: Abtreibung ist kein Verbrechen

Aktualisiert am 06.07.2022  –  Lesedauer: 

Luzern ‐ Man stelle sich entschieden gegen den "schockierenden Vergleich" des Papstes: Der Schweizerische Katholische Frauenbund widerspricht den jüngsten Aussagen von Franziskus zu Schwangerschaftsabbrüchen deutlich.

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Der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) hat den jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zu Schwangerschaftsabbrüchen deutlich widersprochen. "Abtreibung ist kein Verbrechen", erklärte der Verband am Dienstag in Luzern. Man stelle sich entschieden gegen den "schockierenden Vergleich" des Papstes. Dessen Aussagen stellten eine Diffamierung von Frauen dar, die eine Abtreibung vornehmen ließen. Frauen, die einen solchen Schritt in Erwägung zögen, seien Leidtragende und keine Verbrecherinnen. "Sie befinden sich in einer ausweglosen Lage, brauchen Hilfe sowie Zugang zu medizinisch sicheren Schwangerschaftsabbrüchen. Das kann auch eine Abtreibung sein. Das ist traurig, aber nicht verdammenswert", so der SKF.

Nach der jüngsten Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA zu Abtreibungen hatte Franziskus Schwangerschaftsabbrüche am Montag erneut verurteilt. "Ich frage: Ist es legitim, ist es richtig, ein menschliches Leben zu beseitigen, um ein Problem zu lösen?", so das Kirchenoberhaupt in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der 85 Jahre alte Argentinier verglich Abtreibung zudem mit "dem Anheuern eines Auftragsmörders". In der Vergangenheit hatte sich Franziskus bereits ähnlich geäußert. Im September vergangenen Jahres sagte er auf dem Rückflug aus der Slowakei etwa: "Wer abtreibt, tötet".

Der SKF betonte stattdessen das Recht auf Selbstbestimmung. Dazu gehöre das Recht auf sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche. Man setzte sich für den Schutz des Lebens ein, verkenne aber nicht soziale, rechtliche oder wirtschaftliche Aspekte, die zu einer Abtreibung führen könnten. "Jede Frau, die sich trotz Notlage für die Mutterschaft entscheidet, die ein ungeplantes Kind zur Welt bringt, aber auch jede Frau, die einen Schwangerschaftsunterbruch vornimmt, hat Anspruch auf Unterstützung der Gesellschaft, Respekt, Begleitung und Zuwendung", so der Verband. Dies sei eine Grundforderung christlicher Nächstenliebe. (stz)