Pater Christoph Kreitmeir über das Sonntagsevangelium

Sich Sorgen machen oder für sich selbst sorgen?

Aktualisiert am 16.07.2022  –  Lesedauer: 
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Ingolstadt ‐ Zwei Frauen erhoffen sich in der Nähe Jesu eine kraftspendende Auszeit vom Alltag: Eine kann sich beschenken lassen – die Andere erlebt sich hingegen entfremdet von sich selbst. Was macht den Unterschied? Pater Christoph Kreitmeir geht zur Urlaubsschule bei Maria und Marta.

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Impuls von Christoph Kreitmeir

Wie oft kann man von anderen hören und wie oft geht es einem selbst so: Da sehnt man sich nach langen Monaten des Werkelns und Tuns endlich mal nach Urlaub, Abwechslung und vor allem nach Ruhe und dann wird die ersehnte Auszeit oft nur zur Verdoppelung von Unruhe und Hektik. Wie viele benennen bei ihren Urlaubswünschen auch ihre Sehnsucht nach einer guten Lektüre, nach Inspiration oder geistlicher Nahrung.

Marta und Maria leben als Schwestern in einem Dorf und dürfen Jesus bei sich als Gast aufnehmen. Der Wanderprediger ist bekannt dafür, dass er Menschen körperlich, seelisch und geistig aufbaut, sie stärkt und nicht selten auch heilende Kräfte walten lässt.

Marta und Maria wollen für ihn da sein, sie wollen aber auch durch sein Dasein, sein Bei-ihnen-sein genau diese Stärkung für ihr Leben bekommen.

Marta kümmert sich um dies und das, damit der Gast sich bei ihr und ihrer Schwester wohlfühlt. Sie spürt dabei aber immer mehr, dass es ihr in dem ganzen Tun immer unwohler wird. Sie ist nicht mehr bei sich, sie gerät außer sich und spürt negative Energien in sich hochkommen, die auf ihre Schwester gemünzt sind. Marta erlebt dadurch eine doppelte Entfremdung von sich, genau wie viele Erholungsbedürftige auch. Wenn dann endlich der "Gast" freie Zeit da ist, fühlt man nur Ungutes und die sonst äußere Unruhe wird zur inneren. So manche Urlaubsstimmung wurde durch solche Erfahrungen schon getrübt, wenn nicht noch Schlimmeres passierte.

Maria war anscheinend schon geübt im Sorgen für sich selbst. Sie konnte im ganz normalen Alltag sich kleine Auszeiten nehmen, um nach innen zu lauschen und durch Inspirationen von außen ihrer Seele neue geistig-geistliche Nahrung geben zu können. Maria hatte dadurch auch ihre Gefühle in besserer Ordnung. Sie war bereit, dem Gast Jesus ihr Ohr und ihr Herz zu öffnen, um beschenkt zu werden.

Maria sorgte sich um sich selbst, eine Kunst, die wir Selbstsorge nennen. Marta sorgte sich viel, vielleicht zu viel um andere und entfernte sich dadurch von ihrer ordnenden Mitte. Ihre Seelenfenster waren deshalb verschlossen und lichtreiche Inspirationen konnten nicht in ihr Inneres vordringen. Jesus nannte das: "Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen." Noch zu all den Sorgen des Lebens hinzu!

Sich Sorgen machen – für sich selbst sorgen. Beides ist wichtig. Es geht um die richtige Balance und vor allem darum, offen zu bleiben für das Lauschen nach innen und das Hinhören auf die unerwarteten und ungeplanten Gastgeschenke geistlicher Nahrung, die Gott uns immer wieder anbietet.

Evangelium nach Lukas (Lk 10,38–42)

In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau namens Marta nahm ihn gastlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß.

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Marta aber war ganz davon in Anspruch genommen zu dienen.

Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!

Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.

Der Autor

Der Franziskanerpater Christoph Kreitmeir arbeitet in der Klinikseelsorge am Klinikum Ingolstadt, in der Erwachsenenbildung und bei Lebenshilfesendungen im Radio Horeb.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.