Standpunkt

Klöster zeigen: Es gibt auch das Heile und Heilende in der Kirche

Aktualisiert am 26.07.2022  –  Lesedauer: 
Drei Benediktiner-Mönche im schwarzen Habit stehen in einem Klostergarten zusammen.
Bild: © KNA

Bonn ‐ Die kirchliche Nachrichtenlage wird dominiert von Verbrechen, Frust und Machtkämpfen. Doch es gibt auch eine andere Wirklichkeit von Kirche, kommentiert Andreas Püttmann. Gerade die Klöster strahlten diese immer noch aus.

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Am Wochenende fuhr ich zum katholischen Durchatmen an einen Glaubens-Heimatort meiner Jugend: zur Benediktinerabtei Gerleve. Vom Religionslehrer organisierte "Tage religiöser Orientierung" in der 9. Klasse führten mich 1979 erstmals dorthin. Ab da verbrachte ich gern ganze Wochen dort, half den Gartenmönchen und geigte in der Kloster-"Combo" mit. Einige der Brüder und der gütige Vater Abt ruhen nun auf dem Friedhof. Sein Nach-Nachfolger, der mich damals auf der Orgel begleitete, ist inzwischen schon Altabt. Ich konnte ihn nach 40 Jahren in die Arme schließen. "Pax!" Eine Kirche, die umarmt und auch nach langer Zeit wieder willkommen heißt, so als seien Jahre wie ein Tag – das konnte meine aufgeriebene katholische Seele jetzt brauchen.

Sich in der 2004 sehr schön umgestalteten Abteikirche wieder einschwingen zu können in gregorianische Bitt- und Lobgesänge, hatte über die persönliche Labsal hinaus Symbolwert. Denn hier harmonieren Treue zur Tradition und behutsam eingepflegte Moderne im Medium der Kunst so, wie man es sich auch für die Theologie wünschte. Die beiden Kirchenlager – Bastelgruppe "Wir schaffen jetzt mal eine zeitgemäße Kirche" und die Wagenburg verbiestert-doktrinärer Museumswächter – kamen mir weit weg vor im Angesicht benediktinischer Formenstrenge und Weltoffenheit, münsterländischer Erdung und geistlicher Fokussierung auf das eigentlich Christliche und Katholische.

Ursprünglich wollte ich den "Standpunkt" über eine CDU schreiben, die sich neben dem "C" eine Zweitidentität als "bürgerlich" geben will, um attraktiver zu werden – ein opportunistisches Fehlkalkül und Armutszeugnis. Oder über ein Tagespost-Interview mit dem Erzbischof von Kansas City, der den Putschversuch der Trumpisten relativierte: "Um die Aufarbeitung des 6. Januar wird auch viel politisches Theater veranstaltet"; "Wir haben doch größere Probleme in den USA." Aber die Dummheit einer Kirche, die um vermeintlich höherer ethischer Ziele willen die Demokratie verrät, kann an anderer Stelle verhandelt werden.

Aus Gerleve zurück, wollte ich lieber auf das Gute und Schöne hinweisen, das sehr viele Menschen in der katholischen Kirche erleben, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt. Es wird zugedeckt durch eine Nachrichtenlage, in der es nur noch um klerikale Menschenfeindlichkeit, Verbrechen, Frust und Machtkämpfe geht. Man muss davon nicht ablenken wollen, um die ganze Wirklichkeit von Kirche zu würdigen, in der es auch das Heile und Heilende gibt, Tag für Tag, weltweit, im Leben aus den Quellen, in redlicher Bemühung des "Ora et labora", gleichmütig im langen Atem der Jahrhunderte. Gerade unsere Klöster, mögen sie auch kleiner und weniger werden, strahlen dies immer noch aus.

Von Andreas Püttmann

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.