Bedeutungsverlust werde sich beschleunigen

Religionssoziologe: Ende der Kirchenkrise nicht in Sicht

Aktualisiert am 01.08.2022  –  Lesedauer: 
Detlef Pollack
Bild: © Privat

Salzburg ‐ Die etablierten Kirchen in Deutschland verlieren an Mitgliedern und Rückhalt in der Gesellschaft. Dass sich dieser Trend etwa in der katholischen Kirche bald umkehrt, daran glaubt der Religionssoziologe Detlef Pollack nicht.

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Ein Ende der Krise speziell der katholischen Kirche in Deutschland ist für den Münsteraner Religionssoziologen Detlef Pollack nicht in Sicht. Im Gegenteil ließen die statistischen Daten der vergangenen 15 Jahre erwarten, dass sich der Bedeutungsverlust der Kirche weiter beschleunigen werde, sagte Pollack bei seinem Eröffnungsvortrag der diesjährigen "Salzburger Hochschulwochen" (Montag). Einen Vorgeschmack hätten die enormen Austrittszahlen 2021 geboten, als mit rund 360.000 Menschen insgesamt 1,6 Prozent der Katholiken der Kirche den Rücken kehrten. Die Entwicklung sei dramatisch, so der Soziologe, und eine Kehrtwende nicht in Sicht.

Als evangelischer Christ blicke er "mit Sorge auf das, was in der katholischen Kirche gerade geschieht", räumte Pollack ein; und weiter: "Es schmerzt, dass die Menschen, die die Kirche lieben und für sie arbeiten, im negativen öffentlichen Diskurs über die Kirche so machtlos sind." Was immer man kirchlicherseits sage oder einbringe – es sei stets zu wenig.

Dabei sei aus seiner Sicht eine institutionelle Form von Religiosität, wie sie die etablierten Kirchen böten, wichtig und nicht einfach in eine individuell und bindungslos gelebte Form von Religiosität hin auflösbar. Schließlich stehe die Kirche in ihrem Selbstverständnis dafür, "dass es etwas Jenseitiges im Diesseits gibt, das zugleich im Diesseits nicht ganz aufgeht". Die Kirchen müssten sich der Frage stellen, ob sie diesem Anspruch selbst noch gerecht werden, so Pollack. (KNA)