Kabarettist, Entertainer und Katholik wird 65 Jahre alt

Harald Schmidt: Katholische Kirche ist "im Untergehen begriffen"

Aktualisiert am 18.08.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ 20 Jahre lang war die "Harald Schmidt Show" eine der erfolgreichsten Kabarettsendungen im deutschen Fernsehen. Schmidt, dessen Humor manche als zynisch empfinden, wird heute 65 und ist ein Katholik, der mit seiner Kirche hart ins Gericht geht.

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Er wolle "ein Geheimnis bleiben", soll Harald Schmidt der Publizistin Mariam Lau vor rund 20 Jahren gesagt haben, als sie an einer Biografie des Kabarettisten schrieb. In gewisser Weise ist ihm das gelungen: Nicht immer weiß man bei Schmidt so genau, woran man ist, was seine tatsächliche Überzeugung ist und wo er sie schon wieder ins Ironisch-Sarkastische überzeichnet. "Minimale Übertreibung, aber im Prinzip stimmt's", so fasste der Schriftsteller Rainald Goetz das Phänomen Schmidt einmal zusammen. Seit einigen Jahren weniger öffentlich präsent, wird der Entertainer am Donnerstag 65 Jahre alt.

Der Schwerpunkt seiner Tätigkeiten hat sich verlagert: Statt auf der großen TV-Bühne ist Schmidt häufiger als Moderator von Veranstaltungen zu sehen; er engagiert sich beim Zentrum gegen Vertreibungen, saß auch in der Jury des Franz-Werfel-Menschenrechtspreises, den das Zentrum alle zwei Jahre vergibt. Seit über einem Jahr moderiert Schmidt zudem den Podcast "Raus aus der Depression", ein Projekt des NDR mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, dessen Schirmherr der Kabarettist seit über zehn Jahren ist.

Schmidt nimmt das Thema Depressionen ernst

Ein ungewöhnliches Feld für jemanden, der für bissigen, bisweilen gar zynischen Humor bekannt ist? Gerade das finde er "genial", sagt Schmidt im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Wir haben genügend Trauerweiden, die von Beruf schlecht gelaunt sind, was sie dann mit Depression verwechseln. Dabei hat beides nichts miteinander zu tun." Die Aufmerksamkeit für das Thema werde größer, gerade weil es mit ihm nichts zu tun zu haben scheine.

Spricht man mit Schmidt über Depressionen, dann gibt es kein Vertun, ob es ihm damit ernst ist. "Ich kann nicht jemandem sagen, der depressiv ist oder eine andere schwere Krankheit hat: Nimm's mal mit Humor", betont er. Vielleicht könne der Humor manchen Menschen in solch einer Situation weiterhelfen. Aber: "Nach allem, was ich von Betroffenen an Schilderungen höre, wenn sie in einer depressiven Phase sind, ist mit Humor nicht viel gewonnen."

Der ausgebildete Kirchenmusiker Harald Schmidt sitzt an der Orgel von Sankt Peter in Köln
Bild: ©SJ-Bild

Harald Schmidt ist ausgebildeter Kirchenmusiker und spielt die Orgel.

Für ihn persönlich, auch das macht Schmidt deutlich, spielt der Humor in allen Lebenslagen eine große Rolle. Und nicht nur der Humor, sondern auch der Glaube. Geboren wurde er in Neu-Ulm, die Eltern waren heimatvertriebene Angehörige der deutschsprachigen Volksgruppe der Tschechoslowakei – und streng katholisch, wie Schmidt später sagte. Er war Messdiener und Pfadfinder, ist ausgebildeter Kirchenmusiker und inzwischen ein scharfer Kritiker der katholischen Kirche.

Sie sei "im Untergehen begriffen", sagte Schmidt der KNA weiter: "Rekordaustrittszahlen, ein kommunikatives Desaster nach dem anderen und kein Medienprofi erkennbar, der das Ganze kanalisiert und steuert". Viele Menschen hätten das Gefühl, dass es sich um einen "Sumpf" handle. "Und da rede ich von 80-jährigen Frauen, die niemals auch nur den Hauch eines Zweifels gehabt haben, die jetzt sagen: So geht's nicht weiter!" Da müsse "der Herr im Tempel mal wieder sagen, wo es langgeht", fügt er hinzu.

"Ich kenne einfach viele fantastische Priester"

Wütend sei er über diese Zustände nicht – vielmehr zieht er ein gelassenes Fazit: "Etwas, das auf Ewigkeit angelegt ist wie der Glaube, kann sich nicht allzu lang mit der Situation im Erzbistum Köln befassen." Zugleich besuche er weiterhin gern Gottesdienste, auch im Ausland. Ein Kirchenaustritt sei für ihn "unvorstellbar", wie er dem Magazin "Stern" im Frühjahr sagte. Bei "all dem Horror" dürften die positiven Aspekte der Kirche nicht vergessen werden: "Ich kenne einfach viele fantastische Priester." Es gebe auch "großartige Krankenhäuser" in Trägerschaft von Orden.

Mit zunehmendem Alter werde auch das Thema der eigenen Vergänglichkeit greifbarer, räumt der Entertainer ein. Das Jenseits entziehe sich jedoch der Beschreibung. Über seine eigene Beerdigung denke er nur selten nach, so Schmidt. Seine "bevorzugten Todesarten" hingegen wechselten "je nach Tagesform". Wenig könne er einem Flugzeugabsturz mit noch weiterer Prominenz an Bord abgewinnen – wie etwa Franz Beckenbauer: "Dann würde mein Tod nur im Vermischten erwähnt werden."

Von Paula Konersmann (KNA)