Missbrauchsbetroffene sollen Vorschläge zu geplanten Hinweisen machen

Münster: Entscheidung über gesperrte Bischofsgruft bis Jahresende

Aktualisiert am 26.08.2022  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Nach Veröffentlichung der Münsteraner Missbrauchsstudie ließ das Bistum die Bischofsgruft im Dom vorläufig sperren. Bald soll geklärt werden, wie künftig an die belasteten Oberhirten erinnert werden soll. Dabei können sich auch Betroffene beteiligen.

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Bis Jahresende soll klar sein, wie es mit der bis auf Weiteres gesperrten Bischofsgruft in Münster weitergeht. Man suche gemeinsam mit Missbrauchsbetroffenen derzeit nach Wegen, wie im Sankt-Paulus-Dom auf die Vertuschung von Missbrauch durch dort beigesetzte Bischöfe hingewiesen werden könne, teilte das Bistum Münster am Freitag mit. Von Anfang Oktober bis Ende Dezember würden Vorschläge diskutiert und Entscheidungen getroffen. Auch das Domkapitel werde in den Prozess eingebunden.

Nach Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie im Juni hatte der Münsteraner Bischof Felix Genn angekündigt, gemeinsam mit Betroffenen nach Wegen zu suchen, wie im Umfeld der Bischofsgruft im Dom "auf eine gute und angemessene Form" auf die Verfehlungen der Bischöfe hingewiesen und an die Opfer sexuellen Missbrauchs erinnert werden kann. Vorschläge dazu können weiterhin eingereicht werden.

Gutachten: "Klerikale Vertuschungsgeschichte"

In ihrer Aufarbeitungsstudie werfen Forschende der Universität Münster den früheren Bischöfen Michael Keller (Amtszeit: 1947-1961), Heinrich Tenhumberg (1969-1979) und Reinhard Lettmann (1980-2008) Fehler im Umgang mit Missbrauchstätern unter den Priestern sowie eine "klerikale Vertuschungsgeschichte" vor. Nach Veröffentlichung der Studie ließ das Bistum den Zugang zur Bischofsgruft im Sankt-Paulus-Dom, wo die drei Würdenträger beigesetzt sind, bis auf Weiteres sperren.

Auch am Domherrenfriedhof soll es Hinweise geben. Dort sind die früheren Weihbischöfe Josef Voß und Laurenz Böggering beigesetzt, die ebenfalls Missbrauch vertuscht haben sollen. (KNA)