Wirken des verstorbenen Nuntius sei Segen für Kirche in Österreich gewesen

Altabt Werlen: Zurbriggen verhinderte traditionalistische Bischöfe

Aktualisiert am 05.09.2022  –  Lesedauer: 

Zürich ‐ Vor einer Woche verstarb Erzbischof Peter Zurbriggen, der langjährige Nuntius in Österreich. Der Altabt von Kloster Einsiedeln, Martin Werlen, kannte den Diplomaten sehr gut und glaubt, dass er die österreichische Kirche nachhaltig geprägt hat.

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Der Altabt von Kloster Einsiedeln, Martin Werlen, hat den verstorbenen Nuntius Erzbischof Peter Zurbriggen als Segen für die Kirche in Österreich gewürdigt. Der aus der Schweiz stammende Vatikan-Diplomat habe die Einsetzung von Bischöfen verhindert, die traditionalistischen Kreisen nahestanden, sagte Werlen dem Schweizer Nachrichtenportal "kath.ch" am Montag. Zurbriggen habe sich für die Berufung von Priestern an die Spitze österreichischer Diözesen eingesetzt, "die ihrer herausfordernden Aufgabe gewachsen" waren. Konkret nannte Werlen die Berufung von Benno Elbs zum Bischof von Feldkirch im Jahr 2013. "Ich weiß aus sicherer Quelle, dass ein anderer Bischof vorgesehen war. Doch Peter Zurbriggen wusste das zu verhindern." Ebenso sei die Bischofsernennung von Hermann Glettler für das Bistum Innsbruck 2017 ein Verdienst Zurbirggens.

Zurbriggen habe während seiner Zeit als päpstlicher Nuntius in Österreich von 2009 bis 2018 damit umgehen müssen, dass traditionalistische Kreise "direkte Kontakte nach Rom hatten, auch was die Ernennung von Bischöfen betrifft", so Werlen weiter. Als Beispiel nannte er die kurzzeitige Ernennung des erzkonservativen Priesters Gerhard Wagner 2009 zum Weihbischof in Linz durch Papst Benedikt XVI. Nach massiven Protesten gegen die Personalie musste Wagner auf die Übernahme des Amtes und die Bischofsweihe verzichten. Zudem hätten entsprechende Kreise rund um das umstrittene Internetportal "kath.net" über den päpstlichen Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein direkte Kontakte zum Kirchenoberhaupt gehabt. Zurbriggen habe diesen Kräften widerstanden, da "er die Gläubigen und Kardinal Christoph Schönborn auf seiner Seite wusste", so Werlen.

Der Ende August verstorbene Nuntius sei im liturgischen Bereich traditionell orientiert gewesen. "Und trotzdem wusste er, dass sich die Kirche mit Bischöfen, die sich nicht ins Leben im Heute wagen, keinen Gefallen tut", sagte Werlen. Mit seiner harschen Kritik am Münchner Kardinal Reinhard Marx, der 2016 auf dem Jerusalemer Tempelberg sein Brustkreuz abgelegt hatte, habe Zurbriggen "überreagiert". "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das äußere Zeichen des Kreuzes große Probleme auslösen und als Machtsymbol betrachtet werden kann", so Werlen, der von 2001 bis 2013 Abt des Schweizer Klosters Einsiedeln war. Am heutigen Montagmorgen fand das Requiem für Zurbriggen in seiner Heimatstadt Brig im Schweizer Kanton Wallis statt. (rom)