Eichstätter Diözesanpriester hatte sich nach Anzeige nach Afrika abgesetzt

Missio München für externe Aufarbeitung von Missbrauchsverdacht

Aktualisiert am 25.10.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Der Fall eines Eichstätter Diözesanpriesters zeigt deutlich wie in der Kirche durch häufige Versetzungen jahrzehntelang Missbrauch vertuscht wurde. Das Hilfswerk missio München ist darin verwickelt und drängt nun auf eine externe Aufarbeitung.

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Das Hilfswerk missio München drängt auf eine externe Untersuchung im Fall eines Eichstätter Diözesanpriesters, der sich 1969 wegen einer Missbrauchsanzeige nach Afrika abgesetzt hat. Nach Erkenntnissen der Kölner Rechtsanwältin Bettina Janssen, die sich im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz mit im Ausland tätigen deutschen Priestern beschäftigt hat, war missio München darüber informiert, dass der Priester polizeilich gesucht wird. Ein vom damaligen Eichstätter Bischof Alois Brems verfasstes Schreiben vom 26. Juli 1974 sei an missio München weitergeleitet worden. Der Zeitpunkt ist jedoch unklar.

Eine Sprecherin des Hilfswerks sagte am Dienstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), der Brief sei in den Akten von missio München bisher nicht auffindbar. "Wir wollen den Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen, aber nicht allein nachgehen", fügte sie hinzu. Unabhängige Experten müssten die Erkenntnisse zu dem Fall unter Beteiligung des Bistums Eichstätt, des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und der Erzdiözese München-Freising zusammentragen und auswerten. Untersucht werden müsse dazu eine längere Zeitspanne ab Ende der 1960er Jahre.

Eichstätter Diözesanpriester auch in Brasilien untergetaucht

Janssen hatte ihren Bericht über sogenannte Fidei-Donum-Priester im Sommer fertiggestellt, am 8. August wurde er auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht. Die Zeitungen der Mediengruppe Bayern hatten am Wochenende enthüllt, dass nach dem im Janssen-Report erwähnten Eichstätter Diözesanpriester wegen einer Missbrauchsanzeige gefahndet wurde, woraufhin er erst in Afrika, ab 1973 für weitere elf Jahre in Brasilien untertauchte. Der damalige Adveniat-Funktionär Emil Stehle und die Eichstätter Diözesanleitung unter Bischof Alois Brems hätten an der Tarnung des Geistlichen mitgewirkt, so Janssen.

1984, mehrere Jahre nach Verjährung der Vorwürfe und Einstellung der Fahndung, kehrte der Priester nach Deutschland zurück, aber nicht in sein Heimatbistum, sondern erst für zwei Jahre ins Erzbistum München und Freising, das ihn mit der Seelsorge in der Pfarrei Garching an der Alz beauftragte. In allen deutschen Einsatzorten des Priesters wird inzwischen nach möglichen Betroffenen gesucht. Der Geistliche starb 2016. (KNA)