Kirchlicher Ausblick auf das neue Jahr

Und täglich grüßen die Dauerbaustellen: So wird das Kirchenjahr 2023

Und täglich grüßen die Dauerbaustellen: So wird das Kirchenjahr 2023
Bild: stock.adobe.com/alexgres

Im Filmklassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier" aus dem Jahr 1993 ist Schauspieler Bill Murray alias TV-Wetteransager Phil Connors in einer schlimmen Zeitschleife gefangen. Jeden Morgen wacht Connors in dem Film in einem Hotelzimmer in der Kleinstadt Punxsutawney auf und erlebt immer und immer wieder den von ihm verhassten Murmeltiertag am 2. Februar.

Was das mit der katholischen Kirche und dem Ausblick auf das neue Jahr zu tun hat? Nun, Connors Schicksal ist durchaus vergleichbar mit der Situation der Kirche in Deutschland. Denn die ist seit einiger Zeit ebenfalls in einer Art Zeitschleife gefangen. Ob es um die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, das Ringen um Reformen beim Synodalen Weg oder den Konflikt um Kardinal Rainer Maria Woelki geht – die Dauerbaustellen, die schon 2020, 2021 und 2022 die kirchlichen Nachrichten dominierten, dürften auch 2023 eine große Rolle spielen.

Wie geht es mit dem Synodalen Weg weiter?

Zumindest beim Synodalen Weg ist jedoch ein Ende absehbar. Nach seiner Corona-bedingten Verlängerung soll der von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gemeinsam initiierte Reformprozess mit der fünften Synodalversammlung vom 9. bis 11. März in Frankfurt am Main offiziell seinen Abschluss finden. Völlig unklar ist aber noch, wie es danach mit den Beschlüssen des Prozesses weitergeht. Werden die Bischöfe die auf diözesaner Ebene möglichen Veränderungen in ihren Bistümern umsetzen? Und wie verhält sich der Vatikan, der dem Synodalen Weg bekanntermaßen schon seit dessen Beginn kritisch bis ablehnend gegenübersteht?

Vierte Synodalversammlung
Bild: © Synodaler Weg/Maximilian von Lachner

Der Snodale Weg soll mit der fünften Synodalversammlung im März zu Ende gehen. Doch wie geht es danach weiter?

Klar dürfte lediglich sein, dass die deutschen Vertreter die Ergebnisse des Synodalen Wegs auch in den laufenden weltweiten synodalen Prozess einbringen werden, der im Herbst in der ersten von zwei Bischofssynoden zum Thema gipfelt. Unter dem Leitwort "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung" beraten Bischöfe aus der ganzen Welt vom 4. bis 29. Oktober im Vatikan über den aktuellen Stand des im Herbst 2021 von Papst Franziskus gestarteten Prozesses. Zur Vorbereitung finden im Frühjahr Versammlungen der sieben kontinentalen Bischofsversammlungen – Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika, Naher Osten, Ozeanien sowie USA/Kanada – statt, bei denen die Versammlungen jeweils ein eigenes Dokument erstellen sollen. Die Europäer kommen vom 5. bis 12. Februar in Prag zusammen, für Deutschland nehmen an dem Treffen der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing, ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp, ZdK-Vize Thomas Söding und DBK-Generalsekretärin Beate Gilles teil.

Große mediale und öffentliche Aufmerksamkeit dürfte im neuen Jahr weiterhin – das Murmeltier lässt grüßen – auf den Vorgängen im Erzbistum Köln liegen. Zu viele offene Baustellen wie die von Pannen geprägte Missbrauchsaufarbeitung, die teilweise unglückliche Krisenkommunikation von Kardinal Woelki, laufende juristische Auseinandersetzungen des Erzbischofs sowie die Zukunft der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) sorgen dafür, dass die Kirche am Rhein und weit darüber hinaus nicht zur Ruhe kommt. Nicht zu vergessen Woelkis Rücktrittsangebot, das auch nach bald einem Jahr immer noch unbeantwortet auf Papst Franziskus' Schreibtisch liegt.

In Sachen Missbrauchsaufarbeitung wird sich der Fokus in den kommenden Monaten neben Köln aber wohl auch auf das Erzbistum Freiburg und das Bistum Mainz richten. In beiden Diözesen sollen im Frühjahr – nach mehreren Verzögerungen – Missbrauchsgutachten vorgestellt werden, in denen mit den Amtszeiten des früheren Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch und des verstorbenen Mainzer Oberhirten Karl Lehmann auch das Verhalten zweier ehemaliger DBK-Vorsitzender genauer beleuchtet wird. Während Zollitsch vor wenigen Monaten bereits selbst große Fehler und persönliche Schuld im Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt eingeräumt hat, ist über Lehmanns Rolle im Missbrauchskomplex bislang noch wenig bekannt. Der vom Bistum Mainz als unabhängiger Ermittler eingesetzte Rechtsanwalt hatte Lehmann in einer Zwischenbilanz seiner Untersuchung vor zwei Jahren aber bereits ebenfalls Fehlverhalten vorgeworfen. Auf "einschlägige Meldungen" sei auch während Lehmanns Amtszeit (1983-2016) "oftmals nicht adäquat reagiert worden".

Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart
Bild: © KNA/Julia Steinbrecht

Erreicht am 2. Dezember die Altersgrenze für Bischöfe: Rottenburgs Oberhirte Gebhard Fürst.

Der Synodale Weg und die Weltbischofssynode, die Situation in Köln sowie die weitere Missbrauchsaufarbeitung dürften auch die dominierenden Themen bei den beiden Vollversammlungen der Bischöfe sein. Vom 27. Februar bis 2. März treffen sich die knapp 70 deutschen Diözesan- und Weihbischöfe in Dresden (eigentlich sollte die Versammlung schon vor zwei Jahren in der sächsischen Landeshauptstadt stattfinden, wegen der Corona-Pandemie wurde sie damals aber nur digital durchgeführt) und vom 25. bis 28. September in – nein, nicht wie sonst in Fulda, sondern in Wiesbaden. Der Grund: Im Fuldaer Priesterseminar, dem traditionellen Tagungsort der Bischöfe, finden 2023 umfangreiche Bauarbeiten statt.

Veränderungen in der Bischofskonferenz

Veränderungen in der Bischofskonferenz stehen im neuen Jahr aber auch in personeller Hinsicht an, schließlich sind nach den altersbedingten Rücktritten der beiden Erzbischöfe Hans-Josef Becker (Paderborn) und Ludwig Schick (Bamberg) zwei wichtige Erzdiözesen seit Herbst vakant. Wann genau die beiden Erzbistümer neue Oberhirten bekommen, ist aber noch unklar – ebenso, ob und wie das einfache Kirchenvolk an der Wahl beteiligt wird. Zumindest in Paderborn gibt es aber konkrete Pläne, Laien erstmals bei der Auswahl des neuen Erzbischofs offiziell mitentscheiden zu lassen. Doch unabhängig davon, wann und wie Bamberg und Paderborn neue Bischöfe bekommen – vollzählig dürfte der Kreis der Diözesanbischöfe nicht lange bleiben, denn am 2. Dezember erreicht der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst die bischöfliche Altersgrenze von 75 Jahren.

Weltkirchlich sind 2023 neben der Bischofssynode im Herbst bislang nur wenige Termine absehbar. Unter anderem will Papst Franziskus vom 31. Januar bis 5. Februar seine im vergangenen Sommer wegen Kniebeschwerden abgesagte Reise in die Demokratische Republik Kongo und in den Südsudan nachholen. Außerdem steht – nach einer Corona-bedingten Verschiebung um ein Jahr – vom 1. bis 6. August der Weltjugendtag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon im Kalender; in der Vergangenheit waren diese Treffen der katholischen Weltjugend auch für die amtierenden Päpste immer ein Pflichttermin. Ob der 86-jährige Franziskus, dessen Wahl auf den Stuhl Petri sich am 13. März zum zehnten Mal jährt, darüber hinaus weitere Reisen antritt, dürfte vor allem von seinem Gesundheitszustand abhängen.

Steffen Zimmermann