Man habe sich daran gewöhnt, nicht mehr in den Gottesdienst gehen zu müssen

Soziologe zu Corona-Ende: "Viele kehren nicht in Kirchen zurück"

Aktualisiert am 23.01.2023  –  Lesedauer: 

Köln ‐ "Die Menschen haben an vielen Stellen erlebt, dass sie viele Dinge, die sie über Jahre hinweg gemacht haben, gar nicht so sehr brauchen": Religionssoziologe Detlef Pollack glaubt daher, dass nach Corona der Gottesdienstbesuch nicht wieder steigt.

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Der frühere Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack rechnet nicht damit, dass mit dem Abflauen der Corona-Pandemie die Menschen wieder in die Gottesdienste zurückkehren werden. "Sie haben sich daran gewöhnt, dass man gar nicht zur Kirche gehen muss, sondern dass man auch Streamingdienste in Anspruch nehmen kann", sagte Pollack dem Kölner Online-Portal "domradio.de" am Montag. "Die Menschen haben an vielen Stellen erlebt, dass sie viele Dinge, die sie über Jahre hinweg gemacht haben, gar nicht so sehr brauchen."

Dem Soziologen zufolge war der Anteil der Gottesdienstbesucher unter den Katholiken von knapp 10 Prozent vor der Corona-Pandemie auf 4,3 Prozent im Jahr 2021 gesunken. Der Rückgang bedeute aber nicht automatisch weniger Religiosität. In einer eigenen Befragung habe ein Drittel der Teilnehmenden angegeben, während der Pandemie mehr gebetet zu haben als zuvor, sagte der Wissenschaftler. "Man kann schon sehen, dass manche Menschen diese Krise religiös verarbeiten." Dabei hätten sich vor allem Menschen, die bereits einen Bezug zu Religion hatten, in der Krise stärker auf Glaube und Hoffnung konzentriert.

Den beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland stellte Pollack ein gutes Zeugnis für die Zeit während der Pandemie aus. Anders als etwa die griechisch-orthodoxe Kirchen hätten sie nicht versucht, die Krise theologisch etwa als Strafe Gottes zu deuten. Die Kirchen hätten stattdessen "im Kleinen viel getan, was Seelsorge angeht, aber auch Caritas und Diakonie". (KNA)