Weltbild stellt Insolvenzantrag
Hohe Verluste im zweiten Halbjahr 2013 als Auslöser - Geschäftsbetrieb soll fortgeführt werden

Weltbild stellt Insolvenzantrag

Wirtschaft - Das Augsburger Unternehmen nennt hohe Verluste im zweiten Halbjahr 2013 als Auslöser.

Augsburg - 10.01.2014

Die Insolvenz betreffe nur die Verlagsgruppe, nicht die Filialen und die Gesellschaften in Österreich und der Schweiz, teilte das Unternehmen weiter mit. Dieses Geschäft betreibt Weltbild in einer gemeinsamen Tochterfirma mit dem Buchhändler Hugendubel. Ebenfalls nicht betroffen sei der Internetbuchhändler bücher.de.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Insolvenz von Weltbild als Tragödie. Zugleich griff der Augsburger Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck die kirchlichen Eigentümer scharf an. "Wir werden es nicht zulassen, dass die Bischöfe sich so aus der Verantwortung stehlen", so der Gewerkschafter. Die Kirche praktiziere Kapitalismus in Reinkultur. Betriebsratschef Peter Fitz sagte: "Unser Unternehmen ist zukunftsfähig, davon waren wir immer überzeugt und sind es immer noch". Gemeinsam mit der Gewerkschaft werde man um die Arbeitsplätze im Unternehmen kämpfen.

Aufsichtsratschef verteidigt Weigerung weiterer Finanzspitzen

Die katholische Kirche verteidigt ihre Haltung, auf weitere Finanzspitzen zu verzichten. Die Bemühungen, das Unternehmen wieder zum Erfolg zu führen, seien leider fehlgeschlagen, teilte der Generalvikar des Erzbistums München, Peter Beer, mit. Der Aufsichtsratschef bei Weltbild sagte, in den kommenden drei Jahren hätten bis zu 160 Millionen Euro zusätzlich aufgebracht werden müssen, um die Sanierung umzusetzen. Für die Entschuldung wäre ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag fällig. "Ein derart hoher finanzieller Aufwand kann zumal angesichts verbleibender erheblicher Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Entwicklung des Unternehmens von den Gesellschaftern nicht verantwortet werden", so Beer.

Zuvor hatte zuerst "Handelsblatt Online" über eine drohende Pleite des kirchlichen Medienunternehmens berichtet. Demnach hatten sich die Eigentümer bei einer Sitzung in der Nacht zum Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages verständigen können. Betroffen von einer Insolvenz wären rund 6.300 Mitarbeiter.

Die Summe, die zur Sanierung der Verlagsgruppe notwendig sei, liege laut mit der Sache vertrauten Personen "mindestens im unteren dreistelligen Millionenbereich", so "Handelsblatt Online". Dies sei für die Kirche zu viel gewesen. In diesem Zusammenhang hätten auch die negativen Schlagzeilen über den Umgang mit Geld im Bistum Limburg eine Rolle gespielt und die Frage, ob weitere Einnahmen aus der Kirchensteuer in den defizitären Verlag gesteckt werden dürften.

Schleppende Umstellung auf neues Geschäftsmodell

Weltbild gehört derzeit noch zwölf deutschen Bistümern, der Katholischen Soldatenseelsorge Berlin und dem Verband der Diözesen Deutschlands. Im vergangenen Herbst war nach anhaltenden Verlusten ein Kapitalschnitt eingeleitet und ein Sanierungsexperte in den Vorstand berufen worden. Mehrere Diözesen sicherten zunächst Liquiditätshilfen in zusammen zweistelliger Millionenhöhe zu, erklärten aber zugleich, aus dem Gesellschafterkreis ausscheiden zu wollen.

Als Gründe für die schwierige Lage von Weltbild nannte "Handelsblatt Online" die schleppende Umstellung auf ein neues Geschäftsmodell. Gegen Amazon als größten Online-Händler in Deutschland habe die Verlagsgruppe es schwer. Ähnlich wie die untergegangenen Versandhäuser Quelle und Neckermann habe Weltbild zudem zu lange auf Versandhaus-Strukturen gesetzt, die aufwendig und mit hohen Kosten verbunden sein. (stz/dpa/KNA)