Blick auf eine Filiale des katholischen Verlags Weltbild.
Weltbild-Mitarbeiter kritisieren kirchliche Eigentümer scharf - Insolvenzverwalter sieht Chancen auf Fortbestand

"Bewusst in die Insolvenz getrieben"

Wirtschaft - Die Weltbild-Mitarbeiter kritisieren in einem offenen Brief die kirchlichen Eigentümer scharf.

Von Steffen Zimmermann |  Augsburg - 16.01.2014

Mit ihrem "völlig widersprüchlichen und unklaren Kurs während der letzten Jahre" trügen die kirchlichen Eigentümer einen großen Teil der Verantwortung für die aktuelle wirtschaftliche Lage des Unternehmens, so die Beschäftigten. Sie erklärten, dass sie nicht bereit seien, "unser Unternehmen und unsere Arbeitsplätze sang- und klanglos auf dem Altar innerkirchlicher Machtkämpe opfern zu lassen".

Die Verlagsgruppe Weltbild hatte am vergangenen Freitag Insolvenz beantragt , nachdem sich die kirchlichen Eigentümer (zwölf Bistümer, die Katholische Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands) nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages hatten verständigen können. Nach Angaben aus dem Aufsichtsrat des Unternehmens hätten in den kommenden drei Jahren bis zu 160 Millionen Euro zusätzlich aufgebracht werden müssen, um eine umfassende Sanierung des Unternehmens umzusetzen.

Insolvenzverwalter weckt Hoffnung auf Fortbestand

Die bayerische Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) sagte den Mitarbeitern für den Bedarfsfall staatliche Unterstützung zu. Instrumente wie der Europäische Sozialfonds und der Arbeitsmarktfonds stünden bereit, falls es zu einer Transfergesellschaft komme, sagte die Politikerin in Wildbad Kreuth. Zunächst müsse jedoch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz versuchen, dem Unternehmen eine Zukunft zu ermöglichen. Müller und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) werden an diesem Donnerstag in Augsburg mit Geiwitz, Kirchenvertretern, der Belegschaft und Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) über die Lage bei Weltbild sprechen.

Ein rundes Glashaus vor einem wolkenverhangenen Himmel. Am rechten Bildrand ist das Firmenlogo mit der Aufschrift "Weltbild".
Bild: © KNA

Die Weltbildzentrale in Augsburg.

Geiwitz machte den Beschäftigten auf der Betriebsversammlung in Augsburg am Mittwoch unterdessen Hoffnung auf einen Fortbestand des Unternehmens. "Wir haben einen guten Namen und treue Kunden auf der Guthabenseite", so der Insolvenzverwalter. Zudem hätten auch die großen Verlage ein Interesse am Fortbestand von Weltbild. Geiwitz und Gewerkschaftsvertreter unterstrichen jedoch, eine Sanierung von Weltbild sei nur mit Unterstützung der kirchlichen Eigentümer möglich. Der Augsburger Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck kündigte in diesem Zusammenhang an, um weitere finanzielle Beiträge Gesellschafter kämpfen zu wollen.

BKU-Vorsitzende: Kirche muss Beschäftigten helfen

Auch die Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) sieht die Bistümer in der Pflicht, den Weltbild-Beschäftigten zu helfen. "Jeder Eigentümer hat diese Verantwortung. Aber die Kirche muss sich daran messen lassen, was sie in ihrer Soziallehre formuliert", sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött der Wochenzeitung "Die Zeit".

Zugleich hält es der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa nicht für denkbar, dass die katholische Kirche Eigentümer der Verlagsgruppe Weltbild bleibt. Sie werde sich aber ihrer sozialen Verantwortung für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter stellen, sagte Zdarsa am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Rande einer kirchlichen Tagung in Schloss Hirschberg bei Beilngries.

Keine konkrete Summe

Eine konkrete Summe wollte der Bischof nicht nennen. Er versicherte aber, seine diözesanen Gremien hätten "nach hartem Ringen" über den Umgang mit Weltbild bisher "sehr einmütig agiert". Dies werde jetzt auch so sein. Das Bistum Augsburg hatte als erster Weltbild-Gesellschafter vor Weihnachten eine Liquiditätshilfe in Höhe von 15 Millionen Euro beschlossen. Zugleich wurde erklärt, man wolle künftig nicht mehr Eigentümer sein.

Allein am Weltbild-Stammsitz in Augsburg sind durch die Insolvenz die Arbeitsplätze von rund 2.200 Mitarbeitern bedroht. Zudem ist Weltbild an mehreren weiteren Unternehmen beteiligt, unter anderem zur Hälfte an der DBH Buch Handels GmbH __amp__ Co. DBH betreibt bundesweit Buchhandlungen der Marken Hugendubel, Weltbild und Jokers und hat mehr als 3.000 Beschäftigte. Dieses Filialgeschäft ist bislang nicht direkt von der Insolvenz betroffen. (mit Material von dpa und KNA)

Von Steffen Zimmermann