Harald Schmidt in der Jesuitenkirche Sankt Peter in Köln
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Harald Schmidt im Predigtdialog in der Kölner Jesuitenkirche

Nicht von der Welt?

Theologie - Witzig, spritzig und nicht selten zynisch ist er: Harald Schmidt. Der Entertainer kann aber nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig sein. Am Sonntag war der "Milieukatholik" Schmidt Predigtgast in der Kölner Jesuitengemeinde Sankt Peter - und er hatte sogar eine Überraschung mitgebracht.

Von Brigitta Lentz |  Köln - 19.05.2015

Die Dialogpredigt ist eine Predigtform, in der Pfarrer Werner Holter SJ stets einen Gedanken des aktuellen Evangeliums mit einem Gast aus einer anderen als der kirchlichen Welt wie z.B. Ärzte, Künstler, Musiker, Missionshelfer im Dialog zu präzisieren und zu deuten versucht. An diesem Sonntag ging es um dem Satz aus dem Johannesevangelium: "Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin." (Joh 17,14)

Harald Schmidt - nicht von der Welt? Zu diesem Lebensziel konnte er sich erwartungsgemäß nicht bekennen. Er gehöre nicht zu diesen Hobby-Predigern wie manche ausgediente Politiker, sagte er schmunzelnd, bei denen man den Eindruck habe, Jesus sei ihnen noch persönlich begegnet. Als "Milieukatholik" empfinde er sich. Von Kirchenkritik habe er sich stets fern gehalten. "Die empfinde ich als provinziell. Ich habe die Kirche nie angezweifelt."

Der studierte Kirchenmusiker Harald Schmidt sitzt an der Orgel von Sankt Peter in Köln
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Anlässlich seines Predigt-Auftritts spielte der studierte Kirchenmusiker Harald Schmidt auch das Präludium in F-Dur von Johann Sebastian Bach an der Orgel.

Mutter und Großmutter im heimischen Nürtingen, strenge Diaspora, waren überzeugt katholisch. Und das habe ihn geprägt. Höhepunkt des Kirchenjahres: Das Gemeindefest, das er moderierte. Die Kirche als früher Talentschuppen. Auf die Frage, was ihm der Glaube bedeute, antwortete er: "Ich sehe den Glauben vom Tod aus." Wer jetzt philosophische Überlegungen erwartete, wurde enttäuscht. "Ich empfinde religiöse Beerdigungen mit ihren alten Ritualen als Trost", sagte er schlicht. Atheistische Trauerfeiern kämen ihm stets hilflos vor.

Vom Bibelwort "Wir sind nicht von der Welt" schlug Werner Holter SJ auf Nachfrage Schmidts die Brücke zu den jesuitischen Exerzitien, die die Suche nach dem eigenen Weg zu Gott in den Mittelpunkt stellen. Wie kann es gelingen, ganz bei sich und bei Gott zu sein und den eigenen Weg zu spüren? An diesem Punkt wurde der Entertainer ernst und meinte: "Das ist schwierig und kann höchstens das Ziel des eigenen Weges mit all seinen Irrungen und Wirrungen sein."

Authentizität ist ein Modewort

Authentizität? Das sei kein Ziel, sondern bloß ein Modewort. Er halte es da manchmal mehr mit der Fürbitte: "Gott bewahre mich davor, mich selbst zu erkennen." Er findet es erleichternd, im Leben die verschiedenen Rollen zu spielen: Vater, Schauspieler, Entertainer etc. Und heute sei er eben Dialogprediger. " Man kann sich dem Mitmenschen nicht in seiner totalen Befindlichkeit zumuten." Ob er sich denn von Gott geliebt fühle, wollte Pater Holter wissen. "Das überlasse ich Gott, ob er mich lieben kann. Auf jeden Fall fühle ich mich von ihm in meiner Schwäche angenommen."

Als kleines Bonbon zum Ende der Predigt setzte sich der studierte Kirchenmusiker noch an die Orgel und spielte das Präludium F-Dur von Johann Sebastian Bach, das erste Stück, das er als junger Mann spielen konnte. Es war ein Sonntagmittag, der Ernstes leicht machte - allein schon durch das befreiende Lachen, das in Gegenwart Harald Schmidts nicht ausbleiben kann. Da stand jemand vor der Gemeinde, der absolut "von der Welt" war, ein Narr -  auch ein wenig "um Christi willen" (1 Kor 4,10).

Hinweis

Dieser Artikel erschien zuerst auf jesuiten.org. Wir übernehmen ihn mit freundlicher Genehmigung.

Von Brigitta Lentz