Ein Flüchtling vor einer Berliner Kirche.
Kirchen und Bundesamt beraten über ausgehandelten Kompromiss

Weitere Beratungen über das Kirchenasyl

Kirchenasyl - Es war eine hitzige Debatte: Lange hatten Kirchen und Politik über eine angemessene Form des Kirchenasyls gerungen. Nun haben sich Vertreter beider Parteien in Nürnberg getroffen und über einen Kompromiss beraten.

Nürnberg - 09.06.2015

Ende Februar hatten die Kirchen und das BAMF vereinbart, bis Herbst eine neue Zusammenarbeit bei Kirchenasylfällen zu erproben. Dabei sollen Kirchenvertreter die Möglichkeit bekommen, Einzelfälle erneut vom Bundesamt überprüfen zu lassen, im Idealfall noch bevor die betroffenen Personen ins Kirchenasyl aufgenommen werden. Im Spätherbst soll es dann zu einer Evaluierung des Verfahrens kommen. Vorausgegangen war eine kontroverse Debatte zwischen Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und den Kirchen über einen möglichen Missbrauch des Kirchenasyls.

Nach Angaben der ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft "Asyl in der Kirche" gab es im vergangenen Jahr 430 Fälle von Kirchenasyl in Deutschland. Zum 5. Juni dieses Jahres befanden sich 459 Flüchtlinge, darunter etwa 126 Kinder, in dieser umstrittenen Form kirchlicher Obhut. Schätzungen zufolge können zwischen 80 und 90 Prozent von ihnen langfristig in Deutschland bleiben. (KNA)

Linktipp: Erlaubt oder verboten?

Beim sogenannten Kirchenasyl nehmen Gemeinden oder Ordensgemeinschaften von Abschiebung bedrohte Asylbewerber auf. Doch warum tun sie das eigentlich? Und untergraben sie damit geltendes staatliches Recht? Der Berliner Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl spricht im Interview mit katholisch.de über das Verhältnis von Staat und Kirche, zivilen Ungehorsam und das Gewissen des Einzelnen.