Martin Rothweiler über die Umweltenzyklika und den Wunsch nach Umkehr

Es geht um mehr als "2 Grad plus"

Aktualisiert am 22.06.2015  –  Lesedauer: 
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Bild: © Fotolia.com/Roma
Standpunkt

Bonn ‐ Martin Rothweiler über die Umweltenzyklika und den Wunsch nach Umkehr

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Die Umwelt-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus ist weltweit auf positive Resonanz gestoßen. Wie umfassend oder selektiv das Lob seitens der Laudatoren gemeint ist, wird sich noch zeigen.

Mit dem Appell an alle Menschen guten Willens, für das "gemeinsame Haus" Sorge zu tragen, setzt Franziskus fort, was - wie er selbst betont - seit mehr als 50 Jahren seine Vorgänger von Johannes XXIII. über Paul VI. und Johannes Paul II. bis hin zu Benedikt XVI. bereits immer wieder angemahnt haben, ob es dabei um die unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt durch einen Nuklearkrieg, die rücksichtslose Ausbeutung der Natur oder strukturelle Ursachen und Fehlfunktionen der Weltwirtschaft ging.

Franziskus zielt auf eine ganzheitliche Ökologie, die über mathematische und biologische Sichtweisen hinausgeht. Ganz im Sinne von Benedikt XVI., dessen Rede vor dem deutschen Bundestag er zitiert, geht es ihm um eine "Ökologie des Menschen", die den Menschen als Geist und Wille, aber auch als nicht beliebig manipulierbare Natur begreift; und die Natur als etwas Geschaffenes, und nicht rein zufällig Entstandenes.

Vernunftgründe legen einen geistigen Urheber nahe

Das widerspricht durchaus dem in der Scientific Community weitverbreiteten Evolutionismus, der selbst keine inhaltlichen, moralischen Kriterien bereithält, weshalb man sich auf verantwortete Weise zur Umwelt verhalten soll. Im Gegenteil: Wenn sich alles nur einem Zufall "verdankt" und sich durch Mutation und Selektion ohne eine Zielgerichtetheit fortentwickelt, dann ist auch der Mensch als Teil der Natur nur ein vorübergehendes Phänomen des Zufalls, der irgendwann umweltresistenteren Wesen einmal wird Platz machen müssen. Moral ist dann allenfalls Naturromantik und letztlich irrational. Dabei legen schon, ganz unabhängig von der christlichen Offenbarung, Vernunftgründe einen geistigen Urheber nahe.

Das päpstliche Dokument widerspricht aber auch einer anderen Tendenz, zumindest der westlichen Hemisphäre: der Befreiung von der Natur selbst, der Infragestellung, ob es beispielsweise überhaupt so etwas wie eine Natur des Menschen, eine Natur des Mannes oder eine Natur der Frau gibt. Wo es aber den Begriff der Natur nicht gibt, macht auch Ökologie keinen Sinn. Der Papst zeigt all diese Widersprüchlichkeiten auf.

Franziskus geht es um mehr als um die Umkehr der Tendenz zur globalen Erderwärmung, um 2 Grad mehr oder weniger. Es geht ihm ums Ganze; um die unantastbare Würde des Menschen, seine Verantwortung für die nachfolgenden Generationen und die Achtung der Natur. Sein Blick fällt in der Enzyklika auf Gott Vater, der aus Liebe geschaffen hat, und nicht zuletzt auf Christus, auf den hin alles geschaffen ist. Sein Blick fällt auf den, dessen Bild sich im Grabtuch von Turin zeigt, das Papst Franziskus in diesen Tagen besucht hat: auf Christus, der unendliches Leid auf sich genommen hat, um den Menschen und die gesamte Schöpfung zu erlösen.  Das allerdings ist ein Mysterium fidei, in dem die Würde des Menschen und der Wert des gemeinsamen Hauses unvergleichlich aufscheinen.

Der Autor

Martin Rothweiler ist Geschäftsführer des katholischen Fernsehsenders EWTN.

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Von Martin Rothweiler