Zentralratspräsident Schuster warnt vor neuer Judenfeindlichkeit

Lernt die jüdischen Gemeinden kennen!

Aktualisiert am 21.07.2015  –  Lesedauer: 
Judentum

Berlin ‐ Auch 65 Jahre nach der Gründung des Zentralrates der Juden in Deutschland ist für dessen Präsidenten Josef Schuster der Kampf gegen Antisemitismus die zentrale Aufgabe. Im Wissen über das Judentum sieht er noch Nachholbedarf.

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Nur durch Aufklärung könne die Judenfeindlichkeit bekämpft werden, glaubt Schuster. Dazu gehöre auch, dass man jüdische Gemeinden und das Judentum kennenlerne, "damit es nicht als etwas Fremdes wahrgenommen wird". Kritik an der Politik des Staates Israel sei dabei durchaus legitim. Schuster, der seit 2014 Präsident des Zentralrates ist, sagte: "Wenn aber diese Kritik verwendet wird, um sofort den Bogen zu allen Juden auf der Welt zu schlagen, dann ist das Maß dessen, was ich unter einer sachlichen Kritik an der israelischen Politik verstehe, einfach überschritten."

Bild: ©KNA

Josef Schuster ist Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Der Zentralrat sei bei der Gründung am 19. Juli 1950 eine Interessengemeinschaft jüdischer Menschen gewesen, die sich vorübergehend in Deutschland niederlassen wollten. "Mitte der 1970er Jahre hat sich dann ein Wandel breitgemacht, und man traute sich zu sagen, dass man bewusst wieder in Deutschland leben will, denn das war alles andere als selbstverständlich", so Schuster. Erst anschließend habe man begonnen, sich aktiv mit dem Aufbau jüdischer Gemeinden zu beschäftigten.

In Deutschland wachsende jüdische Bevölkerung

Die Hauptaufgabe des Zentralrates sei es, die unterschiedlichen Ansichten als Dachorganisation aller jüdischen Gemeinden zu vereinen und sie politisch zu vertreten. "Wir sprechen mit einer Stimme, damit wir die gemeinsamen Interessen deutlich und klar nach außen vertreten", so Schuster. In Deutschland lebten etwa eine Viertelmillion Juden, jeder zweite von ihnen sei Mitglied der insgesamt 108 Gemeinden. "Als einziges Land in Europa verzeichnet die Bundesrepublik eine wachsende jüdische Bevölkerung. Und das, obwohl jüdische Gemeinden immer noch von außen bedroht werden."

Immer noch ständen jüdische Einrichtungen unter Polizeischutz. "Mein größter Wunsch wäre, dass dieser Polizeischutz irgendwann nicht mehr notwendig ist", so Schuster. Denn die jüdische Gemeinschaft habe in Deutschland "wieder fest Wurzeln geschlagen" und wolle das Leben mitgestalten. (KNA)

"Juden gehören zu uns"

Eine erneute Abwanderungswelle von Juden aus Europa? 70 Jahre nach dem Holocaust ruft diese Vorstellung Politiker und Religionsvertreter auf den Plan. Einhellig zeigen sie kein Verständnis für einen Vorstoß des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Der hatte europäische Juden aufgerufen, nach Israel auszuwandern, nachdem am Wochenende bei Anschlägen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ein Filmemacher und ein jüdischer Wachmann getötet wurden.