Vor 25 Jahren weihte Papst Johannes Paul II. in der Elfenbeinküste die Basilika Notre-Dame-de-la-Paix

Afrikas bizarrstes Gotteshaus

Aktualisiert am 10.09.2015  –  Lesedauer: 
Die Kathedrale sieht dem Petersdom sehr ähnlich, befindet sich jedoch in Afrika. Es handelt sich um die Basilika "Unserer Lieben Frau des Friedens" in Yamoussoukro an der Elfenbeinküste.
Bild: © KNA
Architektur

Yamoussoukro ‐ Die Basilika "Unsere Liebe Frau vom Frieden" in Yamoussoukro in der Elfenbeinküste ist höher als der Petersdom und bietet fast genauso viel Platz für Gläubige. Doch es gibt einen Unterschied: Kaum jemand besucht den bizarren Kirchenbau.

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Felix Houphouet-Boigny (1905-1993) hat in der Basilika Notre-Dame-de-la-Paix einen Ehrenplatz. Gleich in der ersten Reihe vor dem Altar erinnert eine Plakette an den Kirchenstifter und ersten Staatspräsidenten der Elfenbeinküste. Das prunkvolle Gebäude ist ein persönliches Geschenk, das er dem Vatikan machen wollte. Nur gut drei Jahre Bauzeit waren nötig, bis die Kirche im September 1989 fertiggestellt war. Und noch ein weiteres Jahr musste der Präsident warten, bis sie schließlich von Johannes Paul II. geweiht wurde.

Größter Unterschied zum Petersdom: Die Besucherzahl

Als der Papst am 10. September 1990, vor 25 Jahren, die Basilika in Yamoussoukro, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes, weihte, wird er sich ein wenig wie in Rom gefühlt haben. Schließlich ist der Bau des libanesischen Architekten Pierre Fakhoury stark an den Petersdom angelehnt. Allerdings gibt es einen grundlegenden Unterschied: In den Petersdom strömen täglich viele tausend Besucher. Die Basilika, die über 7.000 Sitz- und 11.000 Stehplätze verfügt, soll nur ein einziges Mal voll gewesen sein - eben am Tag der Weihe. Ansonsten ist die Zahl der Besucher überschaubar.

Notre-Dame-de-la-Paix ist keine Kathedrale, also keine Bischofskirche. In einer neuen Broschüre über das Bauwerk heißt es, dass täglich zwischen 700 und 1.000 Menschen kämen. Ivorer zahlen umgerechnet 1,50 Euro Eintritt, Ausländer doppelt so viel. Auch Führungen werden angeboten. Unter anderem wird den Gästen ein spezieller Raum unterhalb des Altars gezeigt. Von dort werden die Einstellungen der Klimaanlage geregelt - eine absolute Ausnahme in einer westafrikanischen Kirche. Mit einem großen Mischpult sorgen Mitarbeiter während der Gottesdienste zudem für den richtigen Sound. Die Musik kommt aus der Konserve. Fröhliche und stimmgewaltige Gesänge, die sonst so typisch für afrikanische Gottesdienste sind, gibt es nicht.

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Dieses Wochenende ist "Tag der Architektur". Katholisch.de hat alle Kirchengebäude, die dazu ihren Türen öffnen, auf einer Karte zusammengestellt – und beim Architekten Christoph Gatz nachgehört, wie ein geplanter Tischtennisraum auf einmal zu einer "richtigen Kirche" werden kann.

Prunkstück ist die riesige Kuppel, die mit zwei Aufzügen erreicht werden kann. Am Eingang der Kuppel dokumentieren Fotos die Bauphase. Dort ist auch eine Zeichnung zu sehen. Sie dokumentiert, dass die Basilika noch höher ist als der Petersdom in Rom - wenn man das Kreuz auf der Kuppel hinzurechnet. Höher, größer, weiter: Die Basilika von Yamoussoukro soll beeindrucken und Ehrfurcht erwecken.

Keine Hochzeiten, keine Beerdigungen, nur Taufen

Als Präsident Houphouet-Boigny, der 33 Jahre lang an der Macht war, die Kirche erbauen ließ, hatte sie noch eine andere Funktion. Sie sollte ein Fingerzeig an den Westen sein: Was Europa kann, können wir auch. Heute steht sie eher da wie ein Fremdkörper. Auch weil in der Basilika weder geheiratet werden kann noch Trauerfeiern stattfinden. Immerhin sind Taufen möglich.

Finanziert wurde der schätzungsweise 300 Millionen US-Dollar teure Bau vor allem durch Steuergelder des armen Landes - obwohl der Präsident mehrfach beteuert hatte, er habe alles aus seinem Privatvermögen bezahlt. Nach der Fertigstellung erhielt Houphouet-Boigny daher die Auflage, als Kompensation gleich nebenan ein Krankenhaus zu errichten. Es dauerte fast ein Vierteljahrhundert, bis es am 14. Januar 2015 endlich eröffnet wurde - viel viel länger als die Riesenkirche vor einem Vierteljahrhundert.

Von Katrin Gänsler (KNA)