Standpunkt

Mit wachsendem Vermögen gefährden Superreiche die Demokratie

Veröffentlicht am 21.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Annette Zoch – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Zahlen müssten aufrütteln: Der Reichtum einiger weniger wächst rasant – auch der Papst kritisiert die Unwucht. Annette Zoch warnt: Mit wachsendem Vermögen sichern sich Superreiche politischen Einfluss und formen Gesellschaften nach ihrem Willen.

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In dieser Woche treffen sich wieder Politiker und Wirtschaftsführer der ganzen Welt beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Rechtzeitig zum Beginn der Tagung hat die Entwicklungsorganisation Oxfam neue Zahlen zur Vermögensverteilung auf der Welt veröffentlicht, sie beruhen auf Zahlen der Weltbank und dem US-Magazin "Forbes".

Die Zahlen müssten eigentlich aufrütteln: Der Reichtum einiger weniger wächst rasant. Die etwa 3000 Milliardäre auf der Welt besaßen laut Oxfam im vergangenen Jahr ein Gesamtvermögen von rund 15,5 Billionen Euro, dabei ist ihr Vermögen allein 2025 dreimal so schnell gewachsen wie in den fünf Jahren davor, nämlich um 2,1 Billionen Euro. Fast genau so viel besitzt die ärmere Hälfte der Menschheit insgesamt. 3,77 Milliarden Menschen leben von weniger als 7 Euro am Tag. Demgegenüber stehen Superreiche wie Tesla-Gründer Elon Musk, der nach Angaben von Oxfam innerhalb von vier Sekunden so viel verdient wie ein einziger Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem ganzen Jahr.

Papst Leo XIV. äußert sich immer wieder kritisch über diese Unwucht. Während CEOs vor 60 Jahren vielleicht noch vier bis sechsmal so viel Geld verdient hätten wie der Durchschnittsarbeiter, seien es heute 600 mal mehr so viel. Wenn das das Einzige sei, was noch einen Wert habe, dann gebe es "ein großes Problem", sagte der Papst, der sich bewusst in die Tradition des "Arbeiterpapstes" Leo XIII. gestellt hat. Dass er diese Fragen wachhält, ist wichtig und nicht zu unterschätzen.

Das neue Testament ist voller Verse über Reichtum. In vielen Gleichnissen beschäftigt sich Jesus Christus damit, wie Menschen mit Geld umgehen. Gerechtigkeit und das Verhältnis zum "Mammon", an das Menschen ihr Herz hängen, ist dabei nicht nur ein theologisches Thema. Es hat auch handfeste diesseitige Folgen: Denn mit steigendem Vermögen sichern sich Superreiche Zugang zu politischer Macht und Einfluss, bauen Gesellschaften nach ihrem Gusto um und zerstören so langsam aber sicher die Demokratie.

Von Annette Zoch

Die Autorin

Annette Zoch ist Politikredakteurin der "Süddeutschen Zeitung" und schreibt dort über Religion und Kirche.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.