Dogmatiker Seewald verlässt überraschend die Uni Münster
Der Dogmatiker Michael Seewald verlässt die Universität Münster. Zum Sommersemester wechselt er an die Katholisch-Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte. Damit kehrt Seewald an die Universität zurück, an der er mit seiner Promotion und Habilitation seine wissenschaftliche Karriere begonnen hatte. Er freue sich darauf, gemeinsam mit den Studierenden in München über Fragen des christlichen Glaubens, seiner Entwicklung und seiner Gegenwartsbedeutung nachzudenken. "Die LMU bietet ein exzellentes Forschungsumfeld, in das ich mich hochmotiviert einbringen werde", so Seewald weiter.
Erst Ende des vergangenen Jahres hatte die Universität Münster mitgeteilt, dass Seewald den Aufbau des ersten theologischen Leibnizinstituts leiten sollte. Für das "Institut für multidisziplinäre Religionsforschung" hatte der Deutsche Bundestag rund acht Millionen Euro Fördermittel bewilligt. Am Mittwoch teilte die theologische Fakultät der Universität Münster mit, dass Seewald auch weiterhin an der Gründung mitwirken wollte.
In Münster bedauert die Fakultät den Weggang Seewalds. Der Weggang sei ein großer Verlust für Fakultät und Universität, sagte Dekan Oliver Dyma. "Die Universität Münster bietet aber weiterhin exzellente Bedingungen für Forschung und Lehre im Bereich der Theologie und der religionsbezogenen Forschung. Wir sind sehr zuversichtlich, die Professur wieder hochkarätig besetzen zu können", so der Dekan weiter.
Ausgezeichneter Theologe
Der Dogmatiker Seewald gehört zu den bedeutendsten Theologen Deutschlands. Er wurde mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2025 der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Der Preis gilt als wichtigster Forschungsförderpreis in Deutschland und ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Im vergangenen September übernahm Seewald die Herausgeberschaft des international bedeutendsten Handbuchs kirchlicher Lehrtexte, des "Denzinger".
Seewald wurde 1987 in Saarbrücken geboren. Nach seinem Abitur im Jahr 2005 studierte er Katholische Theologie, Politikwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Pune (Indien) und Frankfurt am Main. 2011 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München promoviert, vier Jahre später folgte ebenfalls in München die Habilitation und die Erteilung der Lehrbefähigung für Dogmatik und Ökumenische Theologie. 2016 vertrat Seewald den Lehrstuhl für Dogmatik und Theologische Propädeutik in Bonn, seit 2017 ist er Lehrstuhlinhaber und Direktor des Seminars für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster. (fxn)
17.30 Uhr: Ergänzt um Pressemitteilung aus Münster.
