Schismatischer Orden will Konzil ohne Papst einberufen
Der Orden der "Transalpinen Redemptoristen" plant ein Konzil ohne den Papst einzuberufen. Der Orden will damit die "Irrtümer" des Zweiten Vatikanischen Konzils korrigieren, sagte der Obere der Niederlassung in Christchurch, Pater Michael Mary, gegenüber der Zeitung "Timaru Herald". "Wir bemühen uns in unserem bescheidenen Rahmen und mit unseren begrenzten personellen Mitteln darum, ein 'Unvollkommenes Generalkonzil' einzuberufen, das die gegenwärtige auswegslose katholische Katastrophe öffentlich anerkennt", so Michael Mary weiter.
Die Figur eines "unvollkommenen Konzils" wird in sedisvakantistischen Kreisen und unter Gruppierungen, die dem aktuellen oder früheren Päpsten Häresie vorwerfen, seit einiger Zeit vertreten. Sie geht davon aus, dass im Fall eines häretischen Papstes Bischöfe in einem Konzil die behaupteten Missstände auch ohne den Papst beheben könnten. Theologisch wird diese Idee auf Gewährleute wie den Kirchenlehrer Robert Bellarmin (1542–1621), den Dominikanertheologen Thomas Cajetan (1469–1534) und den heiligen Alfons von Liguori (1669–1787) zurückgeführt, die sich in ihren Werken unter anderem mit dem Verhältnis von Papst und Konzil auseinandergesetzt haben. Tatsächlich kennt die Lehre der Kirche kein Konzil ohne den Papst.
Das geplante "unvollkommene Konzil" soll Bischöfe zusammenbringen, die ein angeblich "wachsendes Netzwerk" von "zum Verstummen gebrachten" Katholiken repräsentieren sollen. "Es gibt Katholiken überall in der Welt in 'katholischen Bunkern', denen klar ist, was vor sich geht. Zu denen müssen wir Kontakt aufnehmen", erläuterte der Obere. Für Pater Michael Mary habe die Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) einen grundlegenden Bruch erlebt: "Der apostolische Glaube der Katholiken wurde aus der Bahn geworfen und als 'Aktualisierung' dargestellt. Die Situation, die sich seit dieser Entgleisung entwickelt hat, gleicht einem langsamen Zusammenbruch des katholischen Glaubens."
Anonyme Online-Kampagnenseite erschienen
Nähere Details zu der Ankündigung sind noch nicht bekannt. Auf einer vor wenigen Tagen online veröffentlichten Kampagnenseite mit dem Titel "Unam Sanctam", die ebenfalls für ein "unvollkommenes Konzil" wirbt, wird behauptet, es hätten sich bereits fünf Bischöfe der Bewegung angeschlossen. Die Urheber der Seite bleiben bislang anonym.
Die Ausrufung eines Konzils ohne den Papst ist eine weitere Eskalationsstufe der "Transalpinen Redemptoristen". Im vergangenen Oktober hatte sich der traditionalistische Orden von der "modernistischen Kirche" losgesagt. Dazu hatte das Generalkapitel einen offenen Brief veröffentlicht, in dem zentrale Aussagen des Lehramts von Papst Franziskus (2013–2025) zurückgewiesen wurden. Der Orden mit Niederlassungen in Schottland und Neuseeland befindet sich seit Monaten in einem Konflikt mit dem Bischof des neuseeländischen Christchurch, Michael Gielen. Gielen hatte den Orden im vergangenen Jahr nach einer Apostolischen Visitation angewiesen, seine Diözese zu verlassen. Hintergrund der Visitation waren Medienberichte über unerlaubte Exorzismen, in deren Verlauf Menschen traumatisiert worden seien, darunter Minderjährige. Die Ordensleute widersprachen den Vorwürfen. Beim Vatikan eingelegte Rechtsmittel gegen die Ausweisung scheiterten im Sommer. In ihrem offenen Brief kündigten die Ordensleute außerdem an, dass sie weiterhin in Christchurch tätig sein wollen.
Die "Transalpinen Redemptoristen" wurden 1988 gegründet und waren zunächst eng mit der Piusbruderschaft verbunden. Nachdem Papst Benedikt XVI. 2007 die Feier der vorkonziliaren Liturgie als "außerordentliche Form des römischen Ritus" wesentlich erleichtert hatte, kehrte der Orden 2008 in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurück. 2012 wurde er als Ordensgemeinschaft diözesanen Rechts in der schottischen Diözese Aberdeen anerkannt, wo er sein Haupthaus hat. In Neuseeland ist die Gemeinschaft seit 2017 vertreten. (fxn)
