Kardinal Tarcisio Bertone.
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"Vatileaks"-Autor hatte Unregelmäßigkeiten aufgedeckt

Bertone räumt Finanzspritze von Kinderklinik ein

Der emeritierte Kurienkardinal Tarcisio Bertone hat die teilweise Finanzierung seiner Wohnungsrenovierung durch eine gemeinnützige Stiftung eingeräumt. Ein italienischer Enthüllungsjournalist hatte die Unregelmäßigkeiten aufgedeckt.

Rom - 12.11.2015

Der frühere Kardinalstaatssekretär schloss jedoch "kategorisch" aus, die Stiftung zu diesem Zuschuss aufgefordert zu haben, wie Radio Vatikan in einer Zusammenfassung des Interviews vom Donnerstag berichtet. Demnach bekräftigte Bertone zugleich, dass er die vom Vatikan für die Instandsetzung von ihm geforderten zusätzlichen 300.000 Euro aus eigener Tasche bezahlt habe.

Laut dem Enthüllungsbuch des italienischen Journalisten Emiliano Fittipaldi soll die Kinderklinik-Stiftung 200.000 Euro zur Renovierung von Bertones Wohnung beigesteuert haben. Im Gegenzug habe Bertone die Wohnung der Stiftung für nicht näher bezeichnete Marketing-Zwecke zur Verfügung gestellt. Damit stand der Vorwurf einer Zweckentfremdung von Spendengeldern im Raum. Dieser Deutung hatte der frühere Vorsitzende der Stiftung, Giuseppe Profiti, in einem Radiointerview vor einigen Tagen widersprochen. Er bestätigte die Mitfinanzierung, verteidigte sie jedoch. Allein im Jahr 2013 seien durch derartige Werbeveranstaltungen die Spendeneinnahmen für die Stiftung von drei auf fünf Millionen Euro gestiegen.

Kardinal wohnt auf knapp 300 Quadratmetern

Bertone war wegen seines angeblichen Luxusappartements seit längerem in den Schlagzeilen. Nach seinen Angaben ist sein Appartement im Vatikan 296 Quadratmeter groß und wird von ihm gemeinsam mit zwei Ordensfrauen bewohnt. Er bestreitet jeglichen Luxus. Das 1869 gegründete Krankenhaus Bambino Gesu ist die renommierteste Kinderklinik Italiens. Es gehört dem Papst, ist aber dem italienischen Gesundheitssystem angegliedert. (KNA)

Linktipp: System von Korruption und Geldwäsche

Das System von Korruption und Vetternwirtschaft ist auch unter Papst Franziskus noch lebendig - das ist die Überzeugung des Journalisten Gianluigi Nuzzi. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin warnte jedoch davor, Nuzzis Enthüllungen überzubewerten.