Gabriele Höfling über Genforschung an menschlichen Embryos

Schreckgespenst Designer-Baby

Aktualisiert am 03.02.2016  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma
Standpunkt

Bonn ‐ Gabriele Höfling über Genforschung an menschlichen Embryos

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Wie schön das klingt: Mit der Forschungsmethode mit dem schwer auszusprechenden Namen CRISPR/Cas9 könnten eines Tages Defekte im menschlichen Erbgut ganz einfach gelöscht und berichtigt werden - ähnlich wie heute in einem Textverarbeitungsprogrammen Rechtschreibfehler ausgemerzt werden.

Mit der Nachricht aus Großbritannien, dass Forscher dort erstmals die Erlaubnis bekommen haben, mit dieser Methode das Erbgut menschlicher Embryonen gezielt zu verändern, geht auch das Schreckgespenst von möglichen Designer-Babys um. Zwar handelt es sich vorerst nur um Grundlagenforschungen aus der ehrenwerten Intention heraus, Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit entgegenzuwirken. Doch mit der Methode CRISPR/Cas9 ist prinzipiell viel mehr möglich.

Es ist also absolut klar, dass die neuen Forschungen aus ethischer Sicht gar nicht gehen - zumal aus der Perspektive des christlichen Glaubens, der sich den unbedingten Lebensschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Schließlich verwenden die Forscher für ihre Versuche Embryonen, von denen von vornherein klar ist, dass sie vernichtet werden sollen. Und wagen wir nur einmal das Gedankenexperiment, dass es wirklich eines Tages möglich sein sollte, die Eigenschaften der eigenen Kinder gezielt mitzubestimmen: Wie wird sich dann die gesellschaftliche Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung verändern? Wenn heute schon neun von zehn Kindern mit Down-Syndrom abgetrieben werden, welchen Wert wird diesem Leben dann noch zugemessen?

Doch nicht nur aus ethischer, auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es Bedenken. So weisen Forscher etwa darauf hin, dass nicht nur die Gene des jeweiligen Embryos, sondern auch die aller seiner Nachkommen verändert werden. Außerdem ist bisher noch unklar, wie sicher die Methode wirklich ist und ob nicht auch unbeabsichtigte Veränderungen des Erbguts die Folge sein könnten.

Angesichts der weitreichenden Konsequenzen ist eine gesellschaftliche Diskussion über die neuen Forschungsmethoden dringend geboten - auch in Deutschland. Und daran sollte sich die Kirche gerade angesichts der Klarheit ihrer Botschaft intensiv beteiligen. Bisher war von ihr zu diesem Thema zu wenig zu hören.

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.
Bild: ©Bistum Münster

Die Heilige Pforte des St.-Paulus-Dom in Münster.

Bild: ©Andreas Ordon, Fürstenfeldbruck

Die Heilige Pforte in Fürstenfeld war vor ihrer Eröffnung zugemauert.

Von Gabriele Höfling