Monika Metternich über Lehren aus der Papstreise

Mexikanische Fastenmeditation

Aktualisiert am 18.02.2016  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma
Standpunkt

Bonn ‐ Monika Metternich über Lehren aus der Papstreise

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Dass Papst Franziskus ein Blatt vor den Mund nehmen würde, kann ihm wohl niemand vorwerfen. "Jesus beruft Jünger, keine Profikiller!", rief er auf seiner Apostolischen Reise durch Mexiko jungen Leuten in Morelia, der Hochburg des mexikanischen Drogenkrieges, zu. Der Geistlichkeit hielt er "die bevorzugte Waffe des Teufels" vor: Die Resignation. In Ecatepec nannte er drei Versuchungen, die zu Entwürdigung führen und "beabsichtigen, die Wahrheit zunichte zu machen, zu der wir berufen sind": Den Reichtum, die Eitelkeit und den Hochmut.

Es wäre zu einfach, seine Worte allein einer Region der Welt zuzuschreiben, die durch Korruption, Mord und Totschlag, Drogenkrieg, Armut und Verzweiflung erschüttert ist. Er spricht auch in unsere Fastenzeit hinein: "Eine Zeit, die Sinne zu schärfen und die Augen zu öffnen angesichts so vieler Ungerechtigkeiten, die unmittelbar gegen den Traum und den Plan Gottes verstoßen."

Die genannten Versuchungen betreffen ja auch uns: Den Reichtum "für mich" und "für die Meinen" zu erstreben, was dazu führt, den Wert eines Menschen einzig daran festzumachen, wie er wohnt, was er trägt und ob er "eine große Karre fährt". Die Eitelkeit, das Streben nach Prestige, "das auf die fortwährende Disqualifizierung derer gründet, die nicht so wie man selber sind". Und der Hochmut, der dazu führt, zu beten: "Ich danke dir, Herr, dass du mich nicht so gemacht hast wie jene da."

Die Diagnose des Papstes zeigt sich als Extrem in den mexikanischen Verhältnissen: Reichtum, Eitelkeit und Hochmut, die eine wahre Hölle aus Leid, Tod, zum Himmel schreiender Ungerechtigkeit, Ausgrenzung, Hoffnungslosigkeit und Resignation schaffen. Aber der Papst belässt es nicht bei der Diagnose. Er hat eine Alternative anzubieten, für die er höchstpersönlich einsteht. Es lohnt auch in unseren Breiten, jeden einzelnen Text der jüngsten Papstreise als Fastenmeditation zu lesen und auf die eigenen Verhältnisse zu übertragen, um diese Alternative neu kennenzulernen – und wo nötig, umzukehren.

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.
Von Monika Metternich