Die Sikhs in Indien wollen Witze über ihre Gemeinschaft verbieten lassen

Eine Glaubensgemeinschaft zieht vor Gericht

Aktualisiert am 05.04.2016  –  Lesedauer: 
Eine Glaubensgemeinschaft zieht vor Gericht
Bild: © KBR/Fotolia.com
Indien

Neu Delhi ‐ Sikhs sind für Indien was die Ostfriesen lange Zeit für Deutschland sind. Beide leben im Nordwesten des jeweiligen Landes. Und über beide Gruppen gibt es unzählige Witze. Einige Sikhs haben nun genug davon und ziehen vor Gericht.

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Harvinder Chowdhury kann darüber überhaupt nicht lachen. Denn dieser Witz ist nur einer von Tausenden über vermeintlich begriffsstutzige, naive, idiotische oder unfähige Sikhs. Sie fühle sich schikaniert und verhöhnt, erklärt Chowdhury. Deswegen hat sie - selbst Anwältin - mit anderen Sikhs Klage eingereicht. Die Forderung: Ein Witz-Verbot, damit die etwa 20 Millionen Sikhs in Würde leben können.

In einem beispiellosen Schritt nahm sich der Supreme Court, Indiens höchstes Gericht, der Sache an. Am Dienstag bat er in einer Anhörung das Management-Komitee der Sikh-Tempel in der Hauptstadt Neu Delhi um Vorschläge für Richtlinien. Dann sei die Sache vertagt worden, sagt Anwalt Surinder Singh Gulati. Wann das Gericht eine Entscheidung fällt, ist unklar.

Viele Witze über turbantragende Sikhs

"Wir wollen ein Gesetz, das Witze verbietet, die Angehörige einer Gemeinschaft in ein schlechtes Licht rückt", sagt Parminder Pal Singh vom Management-Komitee. Rassistische Witze seien einfach nicht lustig, findet er - egal ob sie sich gegen Sikhs, Christen, Muslime, Buddhisten oder andere Bevölkerungsgruppen richten.

Tatsächlich spielen viele Witze in Indien mit Stereotypen der turbantragenden Sikhs - zu Tausenden werden die Gags auf der Straße, per Handy-Nachricht oder auf Webseiten erzählt. Einer geht so: Ein Sikh sagt zu seinem Angestellten: "Geh raus und gieß die Pflanzen." - Angestellter: "Es regnet." - Sikh: "Ja und? Dann nimm halt einen Regenschirm mit."

Menschen in Indien.
Bild: ©WONG SZE FEI/Fotolia.com

Warum gerade die Sikhs immer wieder zum Ziel des Spottes werden, lässt sich nicht mehr eindeutig sagen.

Warum gerade die Sikhs zum Ziel des Spottes wurden, scheint in der Geschichte des Subkontinents verloren gegangen zu sein. Sikhs sind Angehörige einer monotheistischen Religion, die im 15. Jahrhundert vom Wanderprediger Guru Nanak gegründet wurde. Die Gemeinschaft lebt überwiegend im Bundesstaat Punjab im Nordwesten Indiens, doch reisen die Anhänger als Geschäftsleute durchs ganze Land.

Sikhs gelten in Indien als hart arbeitend und mit Unternehmergeist gesegnet - sie bilden eine der erfolgreichsten Minderheiten des Landes. Der Volkskunde-Spezialist Jawaharlal Handoo glaubt, dass die Witze der hinduistischen Mehrheit dazu dienen, mit ihren eigenen Ängsten umzugehen. Die erfolgreichen und wohlhabenden Sikhs seien eine Gefahr für das Hindu-Ego, schreibt er in einem Aufsatz.

Kinofilm über Sikh-Witzfiguren

Zwei Charaktere, die in den Witzen immer wieder auftauchen, sind Santa Singh und Banta Singh. In einem davon isst Santa auf einer Hochzeit sehr langsam. Jemand fragt ihn: "Geht es Dir nicht gut?" - Daraufhin Santa: "Auf der Einladungskarte steht doch: Abendessen von
19 bis 24 Uhr."

Zu allem Überfluss kommen Santa und Banta nun auch noch in die indischen Kinos. Im Trailer des am 22. April erscheinenden Films "Santa Banta Pvt. Ltd." werden die beiden als "das hirnrissigste Duo" beschrieben - Männer, die weder gut aussehen noch Geld besitzen, keine Manieren und keinen Stil haben. Als die beiden im Film einen 1.000-Rupien-Schein unter sich aufteilen wollen, entscheiden sie sich für Fünfzig-Fünfzig. Dann fragt Banta: "Bruder, was machen wir mit den anderen 900?"

Von Doreen Fiedler (dpa)