Kardinäle beklagen Banalisierung der Sakramente
Robert Sarah und Raymond Leo Burke kritisieren Entwicklung nach dem Konzil

Kardinäle beklagen Banalisierung der Sakramente

Die beiden Kardinäle Robert Sarah und Raymond Leo Burke warnen vor einer fortschreitenden Verwässerung des Sakramentenglaubens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In der Kirche gebe es heute "viel Mensch, wenig Gott", sagt Sarah.

Rom - 07.04.2016

Vielen Gläubigen und selbst manchen Priestern fehle heute das Verständnis und die Ehrfurcht vor den Riten, die nach katholischem Verständnis das Wirken Gottes in der Welt sichtbar machen und die Menschen daran teilhaben lassen. Als Sakramente zählen Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, die Weihe sowie das Ehesakrament.

Der aus Guinea stammende Sarah, seit 2014 Präfekt der päpstlichen Gottesdienstkongregation, monierte, in den Kirchen gebe es heute "viel Mensch, wenig Gott". Wörtlich sagte er: "Wir haben die Liturgie zu einem Spektakel verwandelt." Deshalb habe er etwa Papst Franziskus vorgeschlagen, das Fotografieren während der Messfeiern zu untersagen. Weiter kritisierte Sarah, dass der Tabernakel, in dem die geweihten Hostien aufbewahrt werden, nach dem Konzil in den meisten Kirchen vom Zentrum an einen untergeordneten Platz neben dem Altar gerückt worden sei. Dabei sei die Hostie der eigentliche Orientierungspunkt hin zu Gott.

Burke: "Christus ist der Protagonist, nicht der Priester"

Burke sprach von einer "Deformation der Sakramente im Namen der Kreativität" nach dem Konzil. Es habe den Anschein, die Sakramente seien in manchen Gemeinden zu einem "Privatbesitz" geworden. Priester, die die Sakramente spendeten, müssten sich aber immer bewusst sein, dass sie als eine Art "Verwalter" des göttlichen Heilswirkens fungierten. "Christus ist der Protagonist, nicht der Priester", so Burke. Franziskus hatte den US-Amerikaner als Präfekten der Apostolischen Signatur, des obersten Vatikangerichts, abberufen und zum Kardinalpatron des Malteserordens ernannt.

Sarah und Burke betonten, die transzendentale Bedeutung der Sakramente als notwendiges Zeichen der Anwesenheit Gottes und Jesu Christi in der Welt ergebe sich unmittelbar aus der Bibel. Beide Kardinäle zählten während der Bischofssynoden zu Ehe und Familie 2014 und 2015 - dann ohne Burke - zu den vehementesten Gegnern von Reformen etwa beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die nicht zu den Sakramenten zugelassen sind. Sie äußerten sich bei der Vorstellung des Buches "Mit den Sakramenten spielt man nicht" des Geistlichen und Liturgiewissenschaftlers Nicola Bux, der auch als Berater der Gottesdienstkongregation tätig ist. (KNA)

Linktipp: "Der sogenannte Konzilsgeist"

Die Kardinäle Raymond Leo Burke und Robert Sarah haben bei einer Buchpräsentation die "Banalisierung" der Eucharistiefeier und "mangelnde Ehrfurcht" beklagt. Unterdessen leistete sich Sarah in der Synodenaula einige geschmacklose Vergleiche.