Björn Odendahl über das Diakonat der Frau

Die richtigen Worte und Zeichen finden

Aktualisiert am 04.05.2016  –  Lesedauer: 
Standpunkt

Bonn ‐ Björn Odendahl über das Diakonat der Frau

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Während außerhalb der Kirchenmauern Frauen ins Weltall fliegen oder Bundeskanzlerin werden, tut sich die Kirche immer noch schwer damit, die richtigen Worte und Zeichen zu finden, um das weibliche Geschlecht zu würdigen. Umschreibungen wie "treusorgende Mutter" oder "Erdbeeren auf der Torte" (Papst Franziskus) offenbaren dabei eine gewisse Hilflosigkeit. Nicht jede Frau ist Mutter oder will es sein. Ganz zu schweigen von einer Erdbeere.

Zwar macht die Kirche nicht alles falsch. So besetzen mittlerweile immer mehr Frauen Führungspositionen in den deutschen Generalvikariaten. Allerdings bleibt es stets beim Beruf und wird nicht wirklich zur Berufung. Die Frau ist letztendlich ein "engagierter Laie" (Selbst hier gibt es keine weibliche Form). Dabei ließe sich das ändern. Zum "Tag der Diakonin" in der vergangenen Woche forderten katholische Frauenverbände und das ZdK erneut ein Diakonat und damit ein eigenes Amt für die Frau in der Kirche. Und das zu Recht!

Denn anders als bei vielen anderen Reformvorschlägen, die häufig als "dem Zeitgeist anbiedernd" bezeichnet werden, hat die Frau als Diakonin eine lange Tradition. Sie wird bereits im Römerbrief des Paulus und in Dokumenten des Konzils von Chalzedon (451) erwähnt. Woran es heute jedoch scheitert, ist abermals die Sprache und ein daraus konstruierter Negativismus. So erklärt etwa Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dass die Diakonin der alten Kirche nicht dem männlichen Diakon entspreche, der Anteil an dem einen, dreigliedrigen Weiheamt (Diakon, Priester, Bischof) hat. Das hat aber auch niemand behauptet.

Die Kirche muss ihre Worte und Zeichen neu überdenken. Warum keine "Weihe" für die Frau, die ja nicht identisch mit dem Weihesakrament für den Mann sein muss? Und warum kein Amt ohne Weihe? Und was ist überhaupt ein Amt? Die Befürchtungen einiger kirchlicher Würdenträger, die Gläubigen mit diesen Diskussionen nur zu verwirren, sollte jedenfalls spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ad acta gelegt werden. Denn das befähigt und verpflichtet die Laien schließlich zur Teilhabe.

Ein Diakonat für die Frau: Das wäre kein Angriff auf das Priestertum und kein zum Scheitern verurteilter Versuch, die rückläufigen Zahlen von Geistlichen und Gläubigen zu stoppen. Es wäre vielmehr eine Form der Anerkennung dessen, was Frauen schon jetzt in den tausenden Kirchengemeinden vor Ort leisten. Ein mögliches Zeichen könnte dann eine Amtseinführung ähnlich einer "Abtweihe" sein. Auch die ist genau genommen keine Weihe, sondern eine Segnung ("Benediktion"). Gerade weil sie einer Bischofsweihe so ähnelt, entwickelt sie aber eine enorme Strahlkraft und Feierlichkeit. Auch das funktioniert – trotz aller möglichen Verwirrungen.

Der Autor

Björn Odendahl ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.
Von Björn Odendahl