Ein Brautpaar während des Traugottesdienstes.
Zwei Experten geben Tipps vor der Hochzeit

Die große Planung vor dem großen Tag

Kaum ein Fest wird so minutiös geplant wie die Hochzeit. Schließlich soll nicht nur rauschend gefeiert, sondern ein Bund für das Leben besiegelt werden. Darauf müssen Brautpaare sich gut vorbereiten.

Von Paula Konersmann (KNA) |  Bonn - 11.05.2016

Ehe-Seelsorger Ulrich Hoffmann

Auch wenn die Kirche in manchen Lebensbereichen an Autorität eingebüßt haben mag: Wenn es an die Ehe geht, ist jedenfalls weiterhin gefragt. Im Bistum Augsburg werden immer mehr Anmeldungen zu Ehevorbereitungskursen verzeichnet. Seit 26 Jahren ist Ulrich Hoffmann an diesen Kursen beteiligt. Im Interview spricht der Ehe- und Familienseelsorger und Eheberater über alte Traditionen und neue Trends.

Frage: Herr Hoffmann, welche Rolle spielen traditionelle Bräuche und Rituale für heutige Hochzeiten?

Hoffmann: Eine erstaunlich große. Hochzeiten als exotische Events - das ist nicht das Thema der Mehrheit der Paare. Viele schließen sich gern traditionellen Formen an. Beliebt ist zum Beispiel, wenn der Brautvater die Braut dem Bräutigam entgegen führt - übrigens kein kirchliches Ritual. Das finde ich als Zeichen durchaus fragwürdig - als könnten die Frauen nicht selbst entscheiden, wen sie heiraten. Da ist es durchaus angebracht zu fragen, passt das zu euch? Bei der Eheschließung sollte niemand etwas tun, wohinter er nicht stehen kann.

Frage: Wie verändern sich die Trends?

Hoffmann: Die Textfülle, die Paare früher haben wollten, lässt nach. Es gibt eine höhere Wertschätzung für Stillephasen im Gottesdienst und für wenige, aber kraftvolle Texte. Die meisten transportieren auch auf den Liedblättern ihren Trauspruch. Dass auf diese Weise eine persönliche Handschrift deutlich wird, gefällt mir gut. Auch sprechen die meisten Paare das ganze Trauversprechen und begnügen sich nicht mit dem klassischen Ja-Wort. Früher gab es eine größere Scheu, in der Kirche den Mund aufzumachen. Das finde ich sehr positiv: Eine kirchliche Eheschließung ist dem Herrn wohlgefällig, auch wenn man einen Haspler drin hat.

Frage: Was raten Sie den Paaren, die jetzt mit der Planung anfangen?

Hoffmann: Sie sollten frühzeitig zum Pfarrer gehen und besprechen, welche Schritte jetzt passend sind, wie sie gegangen werden können und wo sie Unterstützung brauchen. Es ist wunderbar, wenn ein Paar kirchlich heiraten möchte. Und bevor man die Location festmacht, wäre es gut, auch mit dem Pfarrer zu sprechen.

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Video: © katholisch.de

Vor einer kirchlichen Trauung gibt es ein persönliches Gespräch mit dem Pfarrer. Angst vor diesem sogenannten Ehevorbereitungsgespräch? Dafür gibt es keinen Grund, wie der Bonner Stadtjugendseelsorger Meik Schirpenbach im Interview erzählt.

Hochzeitsdesignerin Irina Thiessen

Neben dem Brautamt selbst sind für den großen Tag noch viele weitere Details zu planen: Von der mehrfach geprobten Brautfrisur bis zu Stickern auf der Schuhsohle sind Hochzeiten heute durchgestylt. Doch dabei sein muss nur das, was wirklich zählt, sagt Hochzeitsdesignerin Irina Thiessen. Ihre Firma unterstützt Paare dabei, entsprechende Prioritäten zu setzen. Im Interview gibt sie Tipps für eine gelungene Feier.

Frage: Frau Thiessen, wie verändern sich die Hochzeitstrends und Planungsschwerpunkte?

Thiessen: Heute wird mehr Wert auf ein Gesamtdesign gelegt, was ich sehr begrüße. Emotionen und Schönheit gehören zu der Seele eines gelungenen Festes. Das beginnt damit, dass den Gästen beim ersten Blick auf die festlich und erlesen dekorierte Location das Herz aufgeht. An der Stelle hat das Paar schon einen guten und den richtigen Ton für den Tag gesetzt. Wenn sich das im Einklang mit dem Ablauf weiter durch den gesamten Tag zieht - dann hört das Schwärmen des Paares sowie der Gäste noch Jahre danach nicht auf.

Frage: "Alles kann, nichts muss" - scheint oft die Devise zu sein. Genießen die Paare diese Freiheit?

Thiessen: Manche Paare tun dies durchaus. Man muss dabei bedenken, dass der Tag zwar auf die Wünsche des Paares zugeschnitten sein sollte, keine Frage - aber erst durch die Gäste wird der Tag zu einem Fest. Hat man Gäste eingeladen, die strikte Veganer sind, sollte man nicht nur Steak servieren - nur weil man gerne immer hochwertiges Steak isst. Das ist ein banales Beispiel, aber gut auf andere Bereiche übertragbar. Ich coache Paare darin, das für sie Wichtige zu erarbeiten. Das lässt sich priorisieren von "Wichtig und Schön" bis zu "Schön, aber nicht wichtig".

Frage: Was raten Sie Paaren, die jetzt mit der Planung beginnen?

Thiessen: In jedem Fall ist es sinnvoll, zeitig nach einer schöner Location zu suchen: Diese sind mittlerweile schon über ein Jahr im Voraus ausgebucht. Zudem empfehle ich eine Prioritätenliste - die man weitestgehend einhalten sollte. Last but not least: Einen Hochzeitsplaner zu buchen, dem man vertraut, kann helfen, um die Zeit bis zur Hochzeit und einen unvergesslich schönen Hochzeitstag zu genießen. Dieser ist nämlich leider wie im Flug vorbei.

Linktipp: Wir heiraten!

Sie möchten kirchlich heiraten und zueinander vor Gott Ja dagen? Damit auf dem Weg dahin nichts schiefgeht, braucht es eine gute Vorbereitung. Katholisch.de erklärt, was das Brautpaar wissen muss - vom Ehevorbereitungsprotokoll bis zur Liedauswahl.

Von Paula Konersmann (KNA)