Von Laubmännern und Wasservögeln
Katholisch.de stellt besondere Pfingstbräuche vor

Von Laubmännern und Wasservögeln

Pfingsten - Die eigentliche Bedeutung von Pfingsten ist vielen Menschen inzwischen fremd. Allerdings rankt sich um das Fest bis heute ein reiches und kurioses Brauchtum. Wir stellen die schönsten Pfingstbräuche vor.

Von Janina Mogendorf |  Bonn - 13.05.2016

Eine Geschichte mit viel Dramatik, die eigentlich im Kopf bleiben müsste. Dass das nicht so ist, hat vielleicht mit dem "Heiligen Geist" zu tun, der für viele nicht greifbar ist. Dieser Geist, der wie eine Taube vom Himmel herunterschwebt und alle Jünger erfasst, gibt ihnen neue Kraft, die Lehren Jesu gemeinsam in die Welt hinauszutragen. Im Mittelalter versuchte die Kirche die Bibelgeschichte mit symbolreichen Darstellungen zu vermitteln. Zeitweise gab es Pfingstspiele, die bis ins 19. Jahrhundert die Heilsereignisse von Pfingsten bis zum jüngsten Gericht nachstellten.

Auch in den Gottesdiensten versuchte die Kirche das Pfingstgeschehen mit Inszenierungen deutlicher zu machen. So rieselten auch schon mal brennende Stofffasern als Feuerzungen auf die Gläubigen herab. Gelegentlich wurden sogar lebende Tauben vom Dachstuhl der Kirche aus heruntergelassen. Traditionell war die Pfingstmesse auch Ort des jährlichen Großen Wettersegens mit der Bitte um gute Ernte. Liturgienahes religiöses Brauchtum hat sich zu Pfingsten darüber hinaus jedoch kaum entwickelt. Nur in Roms berühmeten Pantheon werden seit den 1980er Jahren nach der Messe wieder rote Rosenblätter auf die Gemeinde fallengelassen.

Regional unterschiedliches Brauchtum

Dafür rankt sich umso mehr Volkstum um dieses Fest des Heiligen Geistes, das vor mehr als 2.000 Jahren zur Gründung der Kirche führte. Anders als zu Weihnachten und Ostern sind die Traditionen jedoch regional unterschiedlich geprägt und in vielen Gegenden Deutschlands auch gänzlich unbekannt. Sicherlich auch ein Grund, weshalb das Fest weniger präsent ist, als Weihnachten samt Christbaum und Ostern mit seiner Eiersuche - Bräuche, mit denen Kinder in Itzehoe genauso aufwachsen wie in Rosenheim.

Linktipp: Was bedeutet das Fest nach Ostern?

Pfingsten ist ein wichtiges und zugleich schwer zu fassendes Kirchenfest. So anders als Weihnachten mit dem Kind in der Krippe oder als Ostern, an dem das Licht die Nacht erhellt. Katholisch.de erklärt das Fest.

Umso spannender ist ein Blick auf das zum Teil recht kurios anmutende Pfingst-Brauchtum. Da das Hochfest irgendwann zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni gefeiert wird, ranken sich die Traditionen um Frühling, Partnersuche und Fruchtbarkeit. Ähnlich wie Maibäume in Bayern werden im Norden Deutschlands zum Beispiel auch Pfingstbäume auf Dorfplätzen aufgestellt oder des Nachts vor den Häusern junger Damen platziert. Mancherorts kommen sogar alle Dorfbewohner in den Genuss einer frisch geschlagenen Birke und bewirten im Gegenzug die Pfingstbaumpflanzer.

Singen für deftiges Rührei

In Langenbach und anderen Dörfern des Taunus erwachen zu Pfingsten sogar riesenhafte Laubmänner , auch Grüner Junge genannt, zum Leben. Oft ist es der älteste Schüler eines Jahrgangs, der - komplett in Maiengrün gehüllt - in einem Festzug durchs Dorf geht. Flankiert von zwei Trägern, die jeweils ein geschmücktes Tannenbäumchen und eine Birke tragen. Ein Brauch, der den endgültigen Wintertod und den Sieg des Frühlings symbolisieren soll. Der Mythos des Grünen Mannes, der auch in anderen Gegenden bekannt ist, entwickelte sich in vorchristlichen Zeiten und ersteht jedes Jahr zu Pfingsten wieder auf.

Rund um Pfingsten gehört in vielen Regionen auch das Sammeln von Eiern und Speck dazu. Wie im Bergischen Land, wo die Pfingstsänger von Haus zu Haus wandern und sich aus dem Ertrag ein deftiges Rührei bereiten. Traditionell besingen die Männer vorzugsweise junge Frauen im heiratsfähigen Alter. Ebenfalls zu den Heischebräuchen gehört der Wasservogelbrauch, der zunächst in Vergessenheit geriet, um heute mit Begeisterung wiederbelebt zu werden. So kennt man den Wasservogel heute im Bayerischen Wald, in München, im Taunus und im Schwabenland.

Dieser Wasservogel, je nach Gegend auch Pfingstl, Pfingstlümmel, Pfingstvogel oder Pfingstmockel genannt, kommt mit seiner Gruppe mal zu Fuß, mal zu Pferde und erbettelt mit Maigrün und bunten Bändern geschmückt Schnaps, Eier und Süßes. Als Gegenleistung darf er von den Dorfbewohnern mit Wasser übergossen werden. Pech(wasser)vögel finden sich auch durchaus mal im Dorftümpel oder im Bach wieder. Meist sind es Kinder und Jugendliche, von der ersten Klasse bis Anfang zwanzig, die diese Tradition fortführen. Anders als früher, nehmen heute auch Frauen an der Gaudi teil.

"Dreckschweinfest" in Sachsen-Anhalt

Eine Riesengaudi feiern die Menschen auch in Hergisdorf in Sachsen-Anhalt. Dort organisiert die Pfingstgesellschaft jedes Jahr an Pfingsten das "Dreckschweinfest", das nicht nur so heißt, sondern auch so aussieht. Zumindest die Teilnehmer, die sich in Verkörperung des Winters in einem eigens angelegten Schlammloch auf dem Dorfplatz suhlen und immer wieder von bunt gekleideten Läufern mit Peitschen vertrieben werden. Das Treiben dauert mehrere Stunden - bis die Läufer, die den Sommer darstellen, schließlich siegreich aus der (Schlamm-)schlacht hervorgehen.

Kuh

Geschmückt mit Blüten und Zweigen führt in Bayern der Pfingstochse eine Viehherde im Rahmen einer feierlichen Prozession zur Weide.

Während sich in Sachsen-Anhalt die Schweine suhlen, spielt in anderen ländlichen Gegenden zu Pfingsten ein anderes Tier die tragende Rolle. Geschmückt mit Blüten und Zweigen führt in Bayern der Pfingstochse eine Viehherde im Rahmen einer feierlichen Prozession zur Weide. Früher landete das Tier am Ende auf dem Grill. Auch menschliche "Pfingstochsen" werden in Bayern auf besondere Weise gekürt. Es ist immer derjenige, der am Pfingstsonntag am längsten schläft. Zur Schadenfreude der Dorfgemeinschaft, wird er von seinen Kumpanen mit der Schubkarre durch die Straßen kutschiert und kriegt den Spott der Bewohner ab.

Beliebte Heiligengeist-Krapfen

Neben Ochsen-Braten, der heute noch im Norden Deutschlands als traditionelles Pfingstessen bereitet wird, gibt es eine Reihe weiterer Pfingstgerichte. Da die Taube das biblische Symbol für den Heiligen Geist ist, lag es im Mittelalter nahe, sie an Pfingsten auch gebraten auf den Tisch zu bringen. Heute gibt es diese Tradition noch im Allgäu, allerdings in einer vegetarischen Variation als Brotvogel aus Hefeteig. Ebenso beliebt sind die Heiligengeist-Krapfen, ein süßes Schmalzgebäck.

Während sich Mägde früher in vielen Gegenden über die Pfingstmilch freuen durften - traditionell erhielten sie den gesamten Milchertrag des Pfingsttages und kochten daraus eine Milchsuppe - legten die Kinder in Böhmen in der Pfingstnacht Huflattichblätter aus. Auf diesen fanden sie am nächsten Morgen eine frischgebackene Pfingstbrezel vor. Die Blätter wurden indes gepresst und über das Jahr als Heilkraut verwendet.

Von Janina Mogendorf

Linktipp: Bräuche rund um Pfingsten

Pfingstbier, Pfingstbrezel, Pfingstochse: Seit dem Mittelalter rankt sich eine Reihe von Bräuchen um Pfingsten. Katholisch.de stellt sie vor.