Ein junger Mann ist mit einer jungen Frau unterwegs, die im Rollstuhl sitzt.

Noch Zeit für den Nächsten?

Engagieren - Es ist anspruchsvoll geworden, das Leben. Und schnell. Abitur in 8 Jahren, Nachhilfe bei einer 3-, dazu Klavierunterricht, Sprachkurse und vieles mehr. Dann kommt das Studium samt Auslandssemester - und natürlich der Nebenjob. Ist das alles geschafft, wird 14 Stunden am Tag gearbeitet. Man will ja vorankommen. Doch bleiben in einer Gesellschaft, in der der Einsatz von Ellenbogen und ein effektives Zeitmanagement gefordert sind, die Schwächeren häufig auf der Strecke.

Bonn - 03.07.2013

Wer hat noch Zeit für den Nächsten? Gibt es ein Nachwuchsproblem für das Ehrenamt? "Das können wir so nicht direkt bestätigen", sagte Margret Kulozik, Bundesgeschäftsführerin der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD), gegenüber katholisch.de.

Die CKD, ein bundesweites Netzwerk von Ehrenamtlichen, arbeitet unter dem Dachverband der Caritas. Es gebe noch immer neue Mitarbeiter, ergänzt Kulozik. Nur passe der Begriff "Nachwuchs" da nicht sonderlich gut. "Die meisten kommen nämlich am Übergang vom Berufsleben in das Rentenalter." Wahr sei allerdings, dass sich die Mitarbeiter nicht gerne lange über Mitgliedschaften binden würden. Vor allem auf der Leitungsebene fehlten Kandidaten.

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Lara Mohn, Gruppenleiterin bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg, zu Gast im "katholisch.de - Das Magazin".

Rund 80.000 Menschen sind dabei

"Außerdem merkt man den Generationenwechsel", so Kulozik. Frauen stünden häufiger im Berufsleben, so dass auch ihnen die Zeit für ein Ehrenamt fehle. Von Überalterung will die Geschäftsführerin allerdings nicht sprechen. Die Rentner seien "fit und auf der Höhe der Zeit". Dennoch: Fakt ist, dass sich gerade junge Menschen seltener ehrenamtlich engagieren. Rund 80.000 Menschen arbeiten aktuell in den CKD-Netzwerken in ganz Deutschland. Es könnten mehr sein, wenn es nach Margret Kulozik ginge.

Problematisch sei auch der sexuelle Missbrauch in katholischen Einrichtungen gewesen. "Wir, die Ehrenamtlichen sind es ja, die in die Wohngebiete gehen und in Kontakt mit den Menschen sind", begründet die Geschäftsführerin. Dort seien sie teilweise "mit Zorn überschüttet worden". Doch sie hätten es ausgehalten, so Kulozik. Und sie schlussfolgert: "Manchmal ist es schwierig, als überzeugter Christ aufzutreten." Doch die Ehrenamtlichen der Caritas-Konferenzen tun es weiterhin.

Vom Besuchsdienst bis zur Kleiderkammer

Margret Kulozik möchte auch wieder jüngere Menschen für ein Ehrenamt begeistern. Doch was macht ein Ehrenamtlicher eigentlich? "Da gibt es viele Möglichkeiten", sagt die Bundesgeschäftsführerin. Besuchsdienste – zu Hause oder im Krankenhaus –, Mittagstische für Schüler oder Behördenbesuche mit Migranten sind einige Beispiele. Dazu kommen Kleiderkammern und Treffpunkte für trauernde Angehörige. Wer sich engagieren will, sollte einfach nachfragen, rät Kulozik. In der Gemeinde, Pfarrei oder auch bei der Caritas vor Ort. "Junge Menschen können sich das Ganze auch erst einmal anschauen und einen Ehrenamtlichen den Tag über begleiten".

Kulozik ist vom Nutzen eines Ehrenamtes überzeugt – nicht nur für den, dem geholfen wird, sondern auch für den, der hilft. "Ehrenamtliches Engagement ist immer mit persönlicher Weiterentwicklung verbunden." Junge Menschen könnten soziale Kompetenzen entwickeln, ihre Kommunikations- und Teamfähigkeit stärken. Das Ehrenamt: In ihm wird Nächstenliebe sichtbar. In ihm erhält auch die Kirche ein Gesicht.

Von Björn Odendahl

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