Bundestagsabgeordnete der Union appellierten an den türkischen Staatspräsidenten

Politiker: Erdogan soll Religionsfreiheit schützen

Aktualisiert am 29.07.2016  –  Lesedauer: 
Politiker: Erdogan soll Religionsfreiheit schützen
Bild: © dpa/Oliver Berg
Politik

Türkei ‐ Bundestagsabgeordnete der Union appellierten an den türkischen Staatspräsidenten: Die Ausrufung des Notstandsrechts dürfe nicht dazu genutzt werden, Einschnitte in den Glauben der Bürger zu rechtfertigen.

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Ebenso dürfe der Schutz von Gläubigen und religiösen Stätten nicht hinter anderen Sicherheitsmaßnahmen zurückstehen. Nach Informationen aus kirchlichen Kreisen sollen bei "Treuekundgebungen" für Erdogan seit dem Putschversuch vom 15. Juli christliche Gotteshäuser in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Demnach hatten Demonstranten die katholische Marienkirche in Trabzon gestürmt. "Muslime aller Konfessionen, seien es Sunniten, Schiiten oder Aleviten, aber auch Christen und Juden müssen weiterhin ihren Glauben frei, öffentlich und ohne staatliche Einmischung in der Türkei leben und praktizieren können", heißt es in einem Schreiben an Erdogan. "Mitbürgerinnen und Mitbürger, insbesondere auch solchen mit türkischen Wurzeln, schätzen in Deutschland die grundgesetzlich verbürgte - positive wie negative - Religionsfreiheit und erwarten von Ihnen als Oberhaupt eines modernen Staates das unbedingte Bekenntnis zu ihr."

Anerkennung von Ditib "derzeit nicht realistisch"

Zur aktuellen Debatte in Deutschland über die Ditib oder deren Moscheevereine meinte Hirte, er schätze die Anerkennung dieser Institutionen als Körperschaften des öffentlichen Rechts "derzeit nicht als realistisch ein". Formale Kernbedingung hierfür sei die Identifizierung der Mitglieder, die aber bei vielen Moscheegemeinden nicht gegeben sei. Ferner müsse "die Zuverlässigkeit in Bezug auf ihre Rechtstreue sehr intensiv und ergebnisoffen geprüft werden."

Der Stephanuskreis der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist ein überkonfessionelles Gesprächsforum, das für Toleranz und Religionsfreiheit eintritt und sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt kümmert. Ihm gehören zur Zeit 87 Mitglieder an. (KNA)

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