Basilika der Jungfrau von Guadalupe, Mexiko-Stadt
Nirgendwo kommen so viele christliche Gläubige zusammen wie in Guadalupe

Zwanzig Millionen Pilger für Maria

Nirgendwo in der Welt kommen so viele christliche Gläubige zusammen wie im mexikanischen Marienwallfahrtsort Guadalupe. Am 12. Dezember begeht die Kirche den Gedenktag der Jungfrau von Guadalupe.

Von Gabriele Höfling |  Guadalupe/Bonn - 11.12.2017

Diese Frau kann es sogar mit dem Vatikan aufnehmen: Rund 20 Millionen Pilger kommen jedes Jahr zum Heiligtum der Jungfrau von Guadalupe nach Mexiko-Stadt. Im Vergleich dazu sehen die Zahlen des päpstlichen Staats geradezu mickrig aus: Gerade einmal vier Millionen Menschen kamen 2016 nach Rom, um Papst Franziskus zu sehen. Und die vatikanischen Museen besuchen jedes Jahr rund 5 Millionen Menschen.  

Marienerscheinung trägt zur Christianisierung bei

Dabei fing alles einmal ganz klein an: Vor knapp 500 Jahren, am 9. Dezember 1531, erschien am Berg Tepeyac in einem heutigen Außenbezirk von Mexiko-Stadt dem damals 57-jährigen Indigenen Juan Diego Cuauhtlatoatzin die Gottesmutter Maria. Der Überlieferung nach beauftragte sie ihn, genau an diesem Ort eine Kirche zu errichten. Aber davon konnte Juan Diego den damaligen Erzbischof von Mexiko nicht überzeugen – zunächst.

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Mexiko feiert die Jungfrau von Guadalupe: Wie die Mexikaner die Jungfrau von Guadalupe verehren.

Doch die Jungfrau erschien dem Indigenen erneut. Diesmal ließ sie am Tepeyac-Berg unzählige Exemplare einer in Mexiko bis dahin unbekannte Rosensorte blühen  - und das mitten im Winter. Juan Diego pflückte die Blumen, legte sie in seinen Poncho und brachte sie dem Bischof. Als er sie auspacken wollte, war auf dem Stoff das Bild der Jungfrau zu sehen. Das überzeugte den Bischof. Laut der Legende soll er auf dem Stoff das Gesicht der "schwarzen Madonna" aus einem Kloster im Wallfahrtsort Guadalupe in Spanien erkannt haben. Am Ort der Marienerscheinungen wurde eine kleine Kapelle gebaut, die schnell zu einem wichtigen Wallfahrtsort wurde. Noch bis heute ist wissenschaftlich nicht geklärt, wie das Bildnis auf das Gewand Juan Diegos kam.

Fortan trug die Jungfrau von Guadalupe entscheidend zur Verbreitung des Christentums in Mexiko bei. Zuvor waren nur wenige der mexikanischen Ureinwohner zur Religion der Eroberer übergetreten, die Erscheinung brachte die Wende. Papst Benedikt XIV. (1675 bis 1758) erklärte sie schließlich zur Schutzpatronin Mexikos, später wurden ganz Nord- und Südamerika und die Philippinen unter ihr Patronat gestellt.

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Marienerscheinungen gibt es auf der ganzen Welt. Berühmte Orte dieser Erscheinungen sind Fatima, Lourdes oder Kevelaer. Ihre Bedeutung verdanken sie stets Visionen einzelner Menschen. Katholisch.de stellt eine Auswahl berühmter Pilgerziele vor.

Heute ist das Heiligtum der Jungfrau von Guadalupe der größte Marienwallfahrtsort der Welt – besser besucht als das portugiesische Fatima oder auch das französische Lourdes. Der Gedenktag der Jungfrau von Guadalupe ist der 12. Dezember – das Datum, an dem  die "Morenita" (die "Dunkelhäutige") Juan Diego zum letzten Mal erschien. In dieser Zeit meistert der Ort einen schier unglaublichen Besucheransturm: Knapp 7,2 Millionen Menschen kamen 2016 innerhalb weniger Tage.

Päpste als glühende Verehrer

Auch Päpste gehören zu den glühenden Verehrern der Jungfrau. Johannes Paul II. sprach im Jahr 2002 Juan Diego als ersten Vertreter der Ureinwohner Amerikas heilig. Auf dem Schreibtisch des polnischen Papstes soll ein Bild der Jungfrau gestanden haben. Benedikt XVI. brachte die Tradition der Guadalupe-Feiern in den Petersdom. Und Franziskus soll in seinen vatikanischen Amtsträumen gar eine Abbildung des Ponchos Juan Diegos in Originalgröße besitzen. Schon in seinem ersten Amtsjahr ließ der Papst eine wertvolle goldene Rose anfertigen und sandte sie als Geschenk nach Mexiko.

Als Franziskus 2016 selbst in das zentralamerikanische Land reiste, war der Besuch des Heiligtums ein heimlicher Höhepunkt der Reise. Es sei ein "echtes Wahrzeichen der Liebe und der Gerechtigkeit" geworden, betonte er nach seiner Rückkehr nach Rom. Hierhin kämen viele, die keine Kraft mehr hätten, keinen Raum für Hoffnung, für Veränderung und für Verwandlung spürten.  "Vor dem Bild der Mutter in Stille zu verweilen, war das, was ich mir am meisten gewünscht hatte. Und ich danke Gott, dass er es möglich gemacht hat", erklärte der Papst. (mit Material von dpa und KNA)

(erstmals erschienen am 13.2.2016, aktualisiert am 11.12.2017)

Von Gabriele Höfling

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