Ein Jahr der Jugend steht ins Haus
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Das war der zweite Tag der Vollversammlung

Ein Jahr der Jugend steht ins Haus

Tag 2 der Vollversammlung: Es ging um die internationale Ministranten-Wallfahrt und den Weltjugendtag in Panama. Bekanntgegeben wurde auch, welche deutschen Bischöfe an der Jugendynode teilnehmen werden.

Von Thomas Jansen |  Ingolstadt - 20.02.2018

Der katholischen Kirche steht "ein Jahr der Jugend" ins Haus. Diesen Begriff prägte Bischof Stefan Oster am Dienstag bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Ingolstadt mit Blick auf die vier bevorstehenden Großereignisse: Im März gibt es eine Vorsynode mit 300 jugendlichen Delegierten im Vatikan, im Juli eine internationale Ministranten-Wallfahrt mit mehr als 50.000 Teilnehmern allein aus Deutschland, im Oktober die Jugendsynode im Vatikan und im Januar 2019 schließlich den Weltjugendtag in Panama.

In Ingolstadt traten am Dienstag nun erstmals die deutschen Teilnehmer der Vorsynode und der Synode gemeinsam vor die Presse. Als Delegierte für die Jugendsynode wählten die deutschen Bischöfe erwartungsgemäß den Passauer Bischof Oster, den Vorsitzenden der Jugendkommission der Bischofskonferenz sowie Münsters Bischof Felix Genn, der die Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste leitet. Dritter Vertreter der Bischofskonferenz ist der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe, ebenfalls Mitglied der Jugendkommission. Als jugendliche Delegierte für die Vorsynode sprachen der Bundesvorsitzende des Bundes der katholischen Jugend Deutschlands (BDKJ), Thomas Andonie, und Magdalena Hartmann, die der Schönstatt-Bewegung angehört.

Ermutigendes Signal

Einig waren sich alle darin, dass die Jugendsynode ein "ermutigendes Signal" ist, wie es der BDKJ-Vorsitzende formulierte. Ein Zeichen dafür, dass die Kirche den Jugendlichen zuhören möchte. "Wir sind nicht die, die schon immer alles wissen, wie Jugendliche ticken", sagte Oster. Auffallend war, dass es gerade die Bischöfe waren, die Wert darauf legten, dass es bei der Synode nicht nur um die Berufung zum Priesteramt gehen solle. Ihm lägen auch die katholischen Journalisten und Handwerker am Herzen. Er wünsche sich, dass der Glaube im jeweiligen Beruf gelebt werde, machte Oster deutlich.

Bischof Genn äußerte die Hoffnung, dass die Jugendsynode zu einer Vernetzung von Jugend- und Berufungspastoral in Deutschland führen könne, die es bislang trotz langjähriger Bemühungen nicht gebe.  Zugleich wandte er sich dagegen, die Synode zu sehr auf die Berufung zum Priesteramt zu konzentrieren. Dazu wäre seiner Ansicht nach eine eigene Synode nötig.

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Alexander Bothe ist seitens der Bischofskonferenz zuständig für die Ministranten-Wallfahrt nach Rom. Worauf er sich schon besonders freut, aber auch welche Sorgen ihm die Ministrantenwallfahrt bereitet, erzählt er im katholisch.de-Interview.

Oster gab am Dienstag auch erstmals Zahlen zur Resonanz der vatikanischen Online-Umfrage zur Vorbereitung der Synode bekannt. Insgesamt nahmen laut Oster 240.000 Jugendliche aus aller Welt daran teil, vollständig ausgefüllt haben die Fragen 100.000 von ihnen. "Aus unserer Sicht hätten es ein paar mehr sein können", so der Passauer Bischof. Dass die Zahl der komplett ausgefüllten Bögen deutlich geringer ist, als die Zahl der Teilnehmer zeigt aus Osters Sicht, dass Jugendliche heute "nicht immer wahnsinnige Lust" hätten, sich eine halbe Stunde zu nehmen, um einen Fragebogen auszufüllen, "der auch nicht immer einfach formuliert" sei. Überraschend hoch war die Zahl der Nichtkatholiken, die sich an der Umfrage beteiligt haben: sie lag nach Osters Angaben bei dreißig Prozent. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer war im Alter zwischen 16 und 19 Jahren.

Papst will Ergebnis der Vorsynode abwarten

Der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, wies darauf hin, dass der Papst der Vorsynode große Bedeutung beimesse. Das Synodensekretariat habe die Bischofskonferenz wissen lassen, dass der Papst erst das Ergebnis der Vorsynode abwarten wolle, bevor er den konkreten Inhalt der Synode endgültig festlege, so Kopp. Die dreihundert Delegierten der Vorsynode im März sollen Franziskus am Palmsonntag in Rom ein eigenes Dokument zur Vorbereitung der Jugendsynode überreichen.

Dass der Vatikan zumindest bei der Vorbereitung der Synode jugendliche Spontanität an den Tag legt, zeigte sich bereits in Ingolstadt. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte jüngst zwei deutsche Jugendliche für die Vorsynode im Vatikan nominiert. Doch das vatikanische Synodensekretariat lud ohne Wissen der Bischofskonferenz noch drei weitere deutsche Teilnehmer ein. Das bescherte einem verblüfften Bischof Oster drei Anrufe von Jugendlichen, die sagten sie seien vom Vatikan zur Vorsynode eingeladen worden. Daraufhin musste die Bischofskonferenz erst einmal recherchieren, um wen es sich hierbei handelt. Einer der drei vom Vatikan nominierten Teilnehmer ist laut dem Pressesprecher der Bischofskonferenz Priesteramtskandidat aus dem Erzbistum München.

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Theologin Klára Csiszár ist Mitorganisatorin der internationalen Ministranten-Wallfahrt nach Rom. Noch nicht allzu lange ist es für Mädchen und Jungen gleichermaßen möglich, beim Gottesdienst als Ministranten zu dienen. Warum das aber wichtig ist, erklärt Csiszár im Interview.

Zur Vorsynode sollen also nach jetzigem Stand also fünf Deutsche fahren. Zehntausendmal so viel, nämlich 50.000 deutsche Jugendliche, werden von Ende Juli bis Anfang August mit der internationalen Ministranten-Wallfahrt auf den Weg nach Rom machen. Dieses Mammutunternehmen wurde ebenfalls am Dienstag in Ingolstadt vorgestellt. Erstmals soll es eine eigene App und neben dem üblichen Tuch auch ein eigene Armband für die Wallfahrt geben, wie die Bischofskonferenz mitteilte. Die Ministranten seien ein "riesiges Pfund", mit dem die katholische Kirche wuchern könne, sagte Oster. Er berichtete, dass der EKD-Ratsvorsitzende Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ihm gegenüber gestanden habe, dass auch die Protestanten gerne so etwas Ministranten hätten. Denn dieser Dienst führe so gut in Glauben und Liturgie ein.

Während es bei der Ministranten-Wallfahrt vor allem darum geht, einen möglichst reibungslosen Ablauf zu organisieren, geht es bei der Jugendsynode auch um Kirchenpolitik. "Wie ist das mit dem Verhältnis zwischen BDKJ und Jugendbischof? Hat sich das normalisiert?" wollte ein Journalist von Andonie und Oster wissen. Er spielte damit offenbar auf Irritationen an, die es nach Osters Auftritt auf der BDKJ-Hauptversammlung im Mai gegeben hatte. Damals hielt er den Jugendverbänden vor, sich mit einer "Light-Version des Evangeliums" zufrieden zu geben. In Ingolstadt lacht Bischof Oster am Dienstag, als er diese Frage hört und überlässt zunächst Andonie das Wort: "Ja, wir haben ein gutes Verhältnis, denke ich. Wir sind im Gespräch". Er habe schon den Eindruck, dass man in eine Richtung laufe, man habe jedoch unterschiedliche Vorstellungen, so der BDKJ-Vorsitzende. "Aber wir glauben, dass wir das unter einen Hut kriegen können". Oster stellte seinerseits klar, dass man mit dem BDKJ "wirklich reden" könne. Es sei auch nicht seine Absicht, zu polarisieren, aber er möge eben ein "gemeinsames Ringen".

Umgang mit Homosexuellen und Weihe von Frauen

Die Forderungen, die Andonie in Ingolstadt an die Synode stellte, könnten möglicherweise noch das ein oder andere "gemeinsame Ringen" nötig machen. Der BDKJ-Bundesvorsitzende wünschte sich, dass die Ergebnisse der Vorsynode einen "wesentlichen, aber auch verbindlichen Charakter für die Synode haben". Er bekräftigte auch die Forderung des BDKJ, dass an der Synode ebenso viele Jugendliche wie Bischöfe teilnehmen sollten. Zudem müssten die Ergebnisse der Online-Umfrage transparent gemacht werden. "Junge Leute müssen nachvollziehen können, was mit ihrem Beitrag passiert. Konkret schlug er vor, die jeweiligen Umfrage-Ergebnisse für die einzelnen Länder zu veröffentlichen. Zugleich kündigte Andonie an, dass er auch den kirchlichen Umgang mit Homosexuellen und den Zugang von Frauen zu Weiheämtern ansprechen wolle. Mitsprache muss auch Mitbestimmung bedeuten", so Andonie.

Bischof Genn hörte Andonie aufmerksam zu und sagte dann: "Wenn das wirklich ernst genommen wird, würde ich mal gern sehen, wie die Kurie dann aussieht". Dabei hatte er ein Lächeln im Gesicht, das offen ließ, ob er gut fand, was er eben gehört hatte, oder nicht.

Von Thomas Jansen