Genn: Müssen Jugendlichen die Angst vor Berufung nehmen
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Bischöfe über die Jugendsynode

Genn: Müssen Jugendlichen die Angst vor Berufung nehmen

Das Thema Missbrauch dominiert. Doch die deutschen Bischöfe beschäftigen sich in Fulda auch mit der für Oktober geplanten Jugendsynode in Rom. In das Bischofstreffen setzen sie Hoffnungen, sehen aber auch Probleme.

Fulda - 26.09.2018

Münsters Bischof Felix Genn hat kurz vor Beginn der Jugendsynode davor gewarnt, den Begriff "Berufung" zu eng zu fassen. Das sagte er am Mittwoch bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Von vielen Jugendlichen werde "Berufung" als Druck gesehen, Priester zu werden oder in einen Orden zu gehen. Diese Angst müsse die Synode den Jugendlichen nehmen: "Berufung bedeutet nicht Einordnung in ein vorgefertigtes Schema, sondern ist die Einladung Gottes, die je eigene Einmaligkeit zu entdecken", so Genn. Berufung könnte auch eine Berufung im Alltag sein oder eine Berufung zu Ehe und Familie. Um die jungen Mensch beim Finden ihrer Berufung zu unterstützen, müssten sich in Deutschland Jugend- und Berufungspastoral besser vernetzten.

Im Blick auf die Debatte über den Missbrauch in der katholischen Kirche wies Genn auf eine weitere Form des Missbrauchs hin: "Es gibt auch den geistlichen Missbrauch, dem anderen meine Entscheidung, die ich für richtig halte, aufzuzwingen", so Genn. Jugendliche hätten ihm rückgemeldet, dass sie sich durchaus eine geistliche Begleitung wünschten, dabei aber die Freiheit und Ansichten der jungen Leute respektiert werden müssten. Diesem geistlichen Missbrauch müsse eine "Haltung der Freiheit" entgegengehalten werden.

Jugendliche wünschen sich Authentizität

Jugendbischof Stefan Oster sagte, die Jugendlichen wünschten sich von der Kirche Authentizität. Priester und Kirchenvertreter müssten in der Lebenswelt der Jugendlichen präsent sein. Die Bewältigung des Missbrauchs und die Frage, wie die Kirche Frauen in ihrer Führungsfähigkeit besser wahrnehmen könne, seien zwei der Themen, die die Jugendlichen stark beschäftigen. Auch über Themen wie Partnerschaft und Sexualität wollten die Jugendlichen sprechen. Um junge Menschen in das Leben und ihre jeweilige Berufung hinein zu begleiten, müsse die Kirche aber auch "sprachfähig" sein und auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen. "Wir in der Kirche neigen oft eher dazu zu sagen: So ist das und fertig", sagte Oster selbstkritisch.

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"Jugendliche wünschen sich eine authentische Kirche", sagt Jugendbischof Stefan Oster mit Blick auf die Jugendsynode. Dazu gehöre auch die kritische Anfrage, ob die Kirche gegenüber jungen Menschen noch sprachfähig sei, etwa wenn es um (Homo-)Sexualität und Partnerschaft gehe.

Der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe erklärte, dass sich die katholische Kirche bei der Jugendsynode bemühe, die Jugendlichen direkt einzubinden: "Wie nie zuvor wurden die Stimmen junger Menschen für eine Weltbischofssynode gezielt in den Vorbereitungsprozess aufgenommen", so Wübbe. Das sei unter anderem durch einen Online-Fragebogen und die Vorsynode geschehen. Auch in Deutschland habe es ein eigenes Jugendhearing gegeben.

Die Jugendlichen erwarteten nun "zu Recht, dass ihre Stimmen auf der Synode Gewicht" bekomme und gehört werde. Sie wollten die Kirche mitgestalten. Dem müsse die Kirche noch stärker nachkommen. Dafür müsse sich auch das Denken der Kirche ändern. Besonders den Missbrauchsopfern müsse eine Stimme gegeben werden. Er selber wolle während der Synode auch mit den Jugendlichen vor Ort in Kontakt treten, "damit am Ende nicht wieder über statt mit den Jugendlichen gesprochen wird", so Wübbe.

Die Weltbischofssynode zum Thema Jugend findet vom 3. bis 28. Oktober im Vatikan statt. Sie trägt den Titel "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung". (gho)