Micky Beisenherz
Ein Brief von Pater Maurus Runge an den bekannten TV-Moderator

Lieber Herr Beisenherz, die Kommunion bedeutet uns Katholiken viel

Micky Beisenherz ist ein bekannter TV-Moderator. Weil der Pfarrer seiner dreijährigen Tochter noch nicht die Kommunion spenden will, gibt er ihr seine eigene – und lässt danach seinem Zorn auf die Kirche bei Facebook freien Lauf. Der Benediktiner Maurus Runge schreibt ihm nun einen Brief.

Von P. Maurus Runge OSB |  Bonn - 09.05.2019

Fast 600-mal wurde der Facebook-Beitrag des bekannten TV- und Hörfunk-Moderators Micky Beisenherz bereits geteilt. Überschrieben ist er mit den Worten "Absurde Situation in der Kirche gestern". Worum es geht? Beisenherz ist mit seiner dreijährigen Tochter im Sonntagsgottesdienst. Da sie noch zu jung für den Kommunionempfang ist, bekommt nur der Papa den Leib Christi. Doch Beisenherz gibt den "Jesus-Oreo", wie er ihn nennt, an seine Tochter weiter – und echauffiert sich im Nachgang über die "jämmerliche" Kirche. Ist das Satire? Ist das Unkenntnis? Der Benediktinerpater Maurus Runge hat den Beitrag aufmerksam gelesen – und schreibt Beisenherz daher einen Brief.

Lieber Herr Beisenherz,

um es gleich vorwegzunehmen: ich bin ein ausgesprochener Befürworter von Satire. Für eine funktionierende Demokratie halte ich Satire für unabdingbar. Jegliche Form von Satire zu verbieten ist der erste Schritt hin zu diktatorischen Regimes. Auch für die Kirche halte ich den satirischen Blick von außen für elementar. Er kann uns auf Dinge aufmerksam machen, die einem Innenblick vielleicht verschlossen bleiben, kann den Finger in Wunden legen. Und Satire darf weh tun. Sie muss aufrütteln, zum Nachdenken bringen – damit sich vielleicht etwas ändert. Allerdings erwarte ich dann auch von dem Satiriker, dass er sich etwas mit der Materie auskennt, über die er seinen Spott ergießt.

Genau diesen letzten Punkt vermisse ich in Ihrem Facebook-Beitrag vom vergangangenen Montag. Sie beschreiben dort, wie Sie sich mit Ihrer dreijährigen Tochter während der Eucharistiefeier in die Schlange der Gläubigen einreihen, um die Kommunion zu empfangen. Das ist für einen gläubigen Katholiken ein sehr intimer Moment: Wir glauben daran, dass in dieser kleinen Hostie, die Sie so abfällig als "Jesus-Oreo" bezeichnen, Jesus Christus selbst gegenwärtig ist. In einem kleinen Stück Brot nehmen wir Jesus in uns auf, vereinigen uns mit ihm. In einem kleinen, gebrochenen Stück Brot kommt uns der nahe, der sich für uns am Kreuz hat zerbrechen lassen. Das ist so unglaublich, dass christliche Konfessionen über diese Frage – leider – immer noch nicht zusammenkommen.

Das ist kein bloßes Event für uns Katholiken, so ein Moment braucht viel äußere und innere Vorbereitung. Deshalb ist es bei uns Brauch, dass Kinder erst im Grundschulalter das Fest der Erstkommunion feiern – nach einer gründlichen Vorbereitung durch engagierte Frauen und Männer in den verschiedenen Gemeinden. Und auch für die Erwachsenen, welche die Kommunion empfangen, sollte das nie zur bloßen Routine werden, sondern jedes Mal ein kleines Fest der Begegnung sein.

Sie beschreiben also, wie Ihre Tochter diesen Gang zur Kommunion so cool und interessant findet, dass sie wissen möchte, was da los ist. Sie möchte dabei sein. Sie schreiben übrigens nicht, dass sie auch so eine Hostie empfangen möchte, sondern dass sie sich einfach mit anstellen möchte. Da ist Ihre Tochter nicht allein. Viele Eltern stellen sich mit ihren Kindern zur Kommunion an, auch wenn die Kinder noch nicht die Erstkommunion empfangen haben. Normalerweise empfangen die Eltern dann die Hostie – den "Leib Christi", wie wir sagen – und die Kinder bekommen vom Pfarrer oder Kommunionhelfer ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet und einen persönlichen Segen zugesprochen: "Gott segne und schütze Dich!"

Das habe ich selbst schon unzählige Male so gemacht. An den Augen der Kinder sehe ich dann oft, wie dieser Segen wirklich bei ihnen ankommt, wie sie für solch eine starke Geste empfänglich sind, wie sie strahlen und einfach glücklich sind. Das klappt übrigens auch bei Leuten, die eher selten in die Kirche gehen und mit unseren Riten nicht so vertraut sind. Ich vertraue dann auch auf das Gewissen der Menschen, das für uns ja oberste Norm ist. Und wie gesagt, das hat bei mir immer gut funktioniert, ohne große Worte und lange Diskussionen, die in diesem Moment ohnehin unangebracht wären.

Der Pfarrer hat also in Ihrem Fall gar nichts falsch gemacht; er wird sich kurz Ihrer Tochter zugewendet haben und ihr "gütig lächelnd" gesagt haben, dass sie für den Empfang der Kommunion noch zu klein sei. Viel mehr kann er in einer solchen Situation nicht sagen. Ich hätte gar nicht mal etwas gesagt, sondern sie, wie oben beschrieben, gesegnet – Gesten wirken oft mehr als Worte. Ich nehme an, das wollte er auch noch tun.

Nun scheint Ihnen an der Situation irgendetwas nicht gefallen zu haben. Das schließe ich zumindest aus Ihren weiteren Ausführungen. Sie reichen also Ihrer Tochter die eigentlich für Sie bestimmte Hostie weiter. Das entspricht nicht wirklich dem Sinn des Sakramentes, das ja eine persönliche Begegnung mit Jesus sein soll. Das zeigt nicht gerade, dass Sie sich wirklich mit dem auseinandergesetzt haben, über das Sie sich nun lustig machen. Ich kann mir das Gesicht des Pfarrers gut vorstellen – aber was soll er schon machen? Jede Reaktion hätte die Situation vermutlich vollends zum Eskalieren gebracht – und das ist der Würde dieses Augenblicks, der für viele Menschen vor und hinter Ihnen einer der wichtigsten der Woche gewesen sein wird, sicher nicht angemessen.

Bild: © privat

Maurus Runge, der Autor dieses Beitrags, lebt als Benediktinermönch in der Abtei Königsmünster.

Ich habe übrigens in meinem Noviziat, in meinem ersten Jahr im Kloster, einen wichtigen Grundsatz gelernt: In der Liturgie ist kein Raum für Provokationen, denn der Ritus lässt meinem Gegenüber gar keine Möglichkeit, darauf angemessen zu antworten, ohne die Situation zum Eskalieren zu bringen. Gelegenheit zur Diskussion ist immer noch nach der Liturgie. Wäre es nicht besser gewesen, nach der Eucharistiefeier in die Sakristei zu gehen und den Pfarrer um ein Gespräch zu bitten? Hätten dann nicht die Dinge und etwaige Missverständnisse viel einfacher geklärt werden können?

Sie beschreiben sich in ihrem Posting übrigens als "Member", als Mitglied der katholischen Kirche. Nun, dann werden Sie sich sicher an Ihre eigene Erstkommunion erinnern, an die Vorbereitung, in der kindgerecht über Sinn und Zweck der Eucharistie aufgeklärt wurde. Zumindest setze ich das bei einem mündigen und intelligenten Menschen, wie ich Sie durchaus einschätze, voraus. Beim Lesen Ihres Postings habe ich allerdings eher den Eindruck, dass Sie bewusst die Provokation gesucht haben. Dass Sie den für viele Menschen in dieser Kirche so wichtigen Moment dazu missbraucht haben, um Ihre negative Meinung über die Kirche bestätigt zu sehen: Was für eine "seltsame Behörde" diese Kirche doch ist. Kein Wunder, dass sich die Menschen von ihr abwenden.

Lieber Herr Beisenherz,

Ihre Tochter wird in etwa fünf bis sechs Jahren in dem Alter sein, wo Sie sie zur Erstkommunion und zur Vorbereitung darauf anmelden können. Dieses "verständige Alter" hat sich gut bewährt. In dem Pfarrbüro Ihrer Heimatgemeinde wird es sicher kompetente Menschen geben, die Ihnen genau erklären können, was Sie da tun müssen. Unzählige Frauen und Männer bereiten in den Gemeinden Kinder – und auch Eltern – auf den großen Tag vor; damit an diesem Tag eben nicht die Geschenke im Vordergrund stehen, sondern das Geschenk, das Gott jedem von uns macht und für das die Kommunion ein Zeichen ist. Übrigens auch der Segen, der kleinen Kindern vielleicht sogar verständlicher ist als die Hostie.

Es ist nun mal so, dass wir Menschen uns entwickeln, dass manche Zeichen und Symbole einem kleineren Kind noch nicht so verständlich sind, dass bei manchen erst erklärende Worte vorher gemacht werden (wir nennen das "Erstkommunionkatechese", bei der kindgerecht erklärt wird, was da geschieht). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Ihre Tochter in ihrer Kommunionvorbereitung liebevolle Frauen und Männer erlebt, die ihr genau erklären, was die Kommunion bedeutet. Ich wünsche ihr, dass sie von ihren Eltern und vielen anderen Menschen leibhaft erfährt, was es heißt, gesegnet, gewollt zu sein – damit sie dann, wenn es soweit ist, den nächsten Schritt der Liebe Gottes zu ihr im wahrsten Sinn des Wortes "verkosten" kann.

Gott segne und schütze Sie!

Von P. Maurus Runge OSB

Der Autor

P. Maurus Runge OSB (*1978) ist Benediktinermönch aus der Abtei Königsmünster.