Suche
Gipfelkreuze sind Sehnsuchtsziele von Wanderern und Gläubigen

Näher bei Gott

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

[no alt text]
Bonn - Ein erhebendes Gefühl: Nach einer Bergwanderung endlich am Gipfelkreuz ankommen. Plötzlich ist alle Mühsal vergessen. Die Kreuze haben eine lange Tradition. Sie geraten jedoch immer mehr in die Kritik.

Ein Bild, dass sich auch in der Bibel findet. Moses empfängt die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai und auch Jesus steigt auf einen Berg, um zu beten. Viele Religionen und Kulturen kennen heilige Berge, als Sitz der Götter. Schon die Römer haben Pässe und Berggipfel markiert und dort Opfer dargebracht. Auch heute meiden die Menschen in Afrika oder Asien bestimmte Gipfel, um diese heiligen Stätten nicht zu entweihen. Die Tradition der Gipfelkreuze stammt allerdings aus Europa.

Hier wurden bereits ab dem 13. Jahrhundert vereinzelt Kreuze in den Bergen errichtet. Sie dienten vor allem als Grenzmarkierungen zwischen Almen und Gemeinden. Erst während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert gewann die religiöse Symbolik an Bedeutung. Häufig brachten die Menschen auch Patriarchenkreuze mit zwei Querbalken an, die nach altem heidnischen Glauben vor Unwettern schützen sollten. Als im 19. Jahrhundert nach und nach das Bergsteigen als Sport aufkam, wurden Kreuze als Zeichen der Erstbesteigung aufgestellt. Vielleicht auch, weil viele Geistliche unter den Pionieren waren.

Anziehungspunkte für viele Zwecke

Der Alpinismus sorgte für die Verbreitung im gesamten alpinen Raum. Zugleich schritt die Technik voran und es wurde immer leichter, Kreuze aufzustellen. Sie wurden nach den Weltkriegen zum Gedenken an gefallene Soldaten errichtet oder als Dank für überstandene Gefahren in den Bergen. Noch heute erinnern viele Kreuze an Bergopfer oder kennzeichnen eine Unglücksstelle. Es sind meist Vereine, Gemeinden oder Tourismusverbände, die ein Kreuz auf dem Berggipfel finanzieren. Denn egal, ob aus verwittertem Holz sind, aus Stahl oder aus Glas: Gipfelkreuze sind und bleiben ein Anziehungspunkt.

  • [no alt text]
    Golden leuchtet das 300 Kilogramm schwere und fast fünf Meter hohe Gipfelkreuz auf Deutschlands höchstgelegenem Punkt, der Zugspitze. Frisch restauriert wurde es 2010 mit dem Helikopter auf den 2962 hohen Gipfel gebracht.
  • [no alt text]
    Als größtes begehbares Gipfelkreuz der Welt gilt das dreißig Meter hohe Jakobskreuz auf dem Gipfel der Buchensteinwand in den Kitzbüheler Alpen. Das Gebäude in Kreuzform bietet auch Raum für Seminare, Hochzeiten oder Lesungen. Vier Aussichtsplattformen in 19 Meter Höhe sind barrierefrei erreichbar.
  • [no alt text]
    Das Kruzifix auf dem Watzmann im Berchtesgadener Land fängt die Abendsonne ein und sorgt für eine besondere Stimmung.
  • [no alt text]
    Das Europakreuz am Feuerkogel wurde 2006 von Schülern gefertigt, als Österreich den Vorsitz im Europarat innehatte. Es ist aus offenen Würfeln zusammengestellt, die für die europäischen Staaten stehen. Zu jedem Würfel gehört ein Stein, als Symbol für das jeweilige Land. Für Deutschland ist es ein Stück der Berliner Mauer.
  • [no alt text]
    In Italien finden Wanderer statt Gipfelkreuzen auch häufig Marienstatuen auf den Berggipfeln. Die weiße Madonna auf dem Monte Zerbion wurde 1929 in Erinnerung an den ersten Weltkrieg errichtet und ist dem Frieden und den großen Helden Italiens gewidmet. An ihrem Fuße finden auch Gottesdienste statt.
  • [no alt text]
    Vom Gipfelkreuz auf dem Staffelberg haben Wanderer bei schönen Wetter eine wunderbare Aussicht auf das Kloster Banz, Vierzehnheiligen und Bad Staffelstein. Seine volle Schönheit entfaltet das Kreuz bei Nacht, wenn es in der Dunkelheit leuchtet.
  • [no alt text]
    Gerade noch so vor Absturz bewahrte ein Team 2010 das Glocknerkreuz auf dem höchsten Punkt Österreichs. Vermutlich durch einen Blitzschlag waren zwei der vier Stahlseile gerissen. Mit Hilfe eines Hubschraubers konnten die Bergleute das Kreuz in letzter Minute sichern, bevor ein weiteres Unwetter über den Berg hereinbrach.

    Zugleich sorgen sie in ihrer christlichen Symbolik auch immer wieder für Diskussionen. Viele Christen fühlen sich durch gedankenlos am Gipfelkreuz hangelnde Freizeitsportler in ihrem Glauben verletzt. Und während der eine Alpinist seine verschwitzten Leibchen am Querbalken trocknet, empfindet der andere das als Gipfel der Respektlosigkeit. Unterdessen machen sich manche für die völlige Abschaffung der Kreuze stark. Allen voran der bekannte Bergsteiger Reinhold Messner, der Gipfelkreuze als Humbug bezeichnet, weil "niemand, auch keine Religion, die Gipfel besetzen" solle.

    Diskussion um das Christussymbol auf dem Berg

    In der Schweiz wenden sich atheistische Freidenker gegen das Christussymbol auf dem Berg. Bergführer Patrick Brussard zerstörte vor einigen Jahren mehrere Gipfelkreuze und wurde wegen Sachbeschädigung und Verletzung der Religionsfreiheit angeklagt. Diese Ressentiments sind nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert hatte es Versuche gegeben, statt der christlichen Kreuze neutralere Gipfelsymbole wie Pyramiden, Obelisken, Fahnen oder Steinmandln aufzustellen.

    Während die einen streiten, kommt Jan von Lingen in der NDR-Reihe "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten" zu dem Schluss, dass der Berggipfel an sich kein religiöser Ort sei, an dem man Gott näherkomme. "Gott ist nach christlichem Verständnis der Schöpfer von Himmel und Erde. Warum sollte er dann nicht genauso in einer tiefen Höhle sein oder auf einem Schulhof oder bei Ihnen Zuhause?", fragt der evangelische Pastor. Welche Bedeutung Wanderer und Bergbewohner ihren Gipfelkreuzen auch beimessen mögen: Kalt lässt diese Wegmarke auf den Bergen niemanden.

    kna-katholisch-swarm-node1 (0.004s)