Der Jesuit Klaus Mertes
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Jesuit fordert strukturelle Konsequenzen aus Missbrauchsskandal

Pater Mertes: Zusage von Papst Franziskus reicht nicht aus

Wenn Papst Franziskus zusage, dass sich die Vertuschung von Missbrauch nicht wiederholen werde, reiche das nicht aus: Jesuitenpater Klaus Mertes fordert ein Ende monarchischer Leitungsstrukturen in der Kirche.

Karlsruhe - 08.01.2019

Der Jesuit Klaus Mertes hat sich für eine strenge Gewaltenteilung in der katholischen Kirche ausgesprochen. Statt monarchischer Leitungsstrukturen brauche es unabhängige Kontrollinstanzen und Beschwerdestellen, um kirchliche Entscheidungen und Machtverteilungen zu überprüfen, schreibt Mertes in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die Freiburger Kirchenzeitung "Konradsblatt".

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre, vor allem im Blick auf die Missbrauchsfälle durch Geistliche, müsse der Schutz von Schwächeren oberste Priorität haben, so Mertes. Dies könne nur durch eine unabhängige kirchliche Gerichtsbarkeit garantiert werden. "Absolute Macht korrumpiert eben immer absolut", so der Leiter der Schule Kolleg Sankt Blasien.

Schaler Beigeschmack

Es reiche auch nicht aus, so Mertes weiter, wenn Papst Franziskus zusage, dass sich die Vertuschung von Missbrauch nicht wiederholen werde, aber keine strukturellen Konsequenzen ziehe. "Nach den Erkenntnissen der letzten Jahre wird eine demütige Hierarchie nicht die Hand für sich selbst ins Feuer legen können. Alle Beteuerungen in diese Richtung haben einen schalen Beigeschmack", argumentiert Mertes. Vielmehr brauche es eine strikte Gewaltenteilung als Kennzeichen und Bedingung guter Amtsführung.

Klaus Mertes (64) war von 2000 bis 2011 Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg Berlin. Anfang 2010 löste er eine Welle von Aufdeckungen sexuellen und physischen Missbrauchs junger Menschen an kirchlichen Bildungseinrichtungen in Deutschland aus. Seit September 2011 ist Mertes Direktor des Kollegs St. Blasien. (tmg/KNA)