Erzbischof Charles Scicluna
Beratung über Jugend und Kirche geht in zweite Woche

Sexuelle Gewalt weiter Thema bei der Jugendsynode

In der ersten Woche ging es bei der Synode un die Lebenswelt der Jugendlichen. Nun sollen die Befunde aus christlicher Sicht bewertet werden. Der vatikanische Chefaufklärer in Sachen Missbrauch nennt sexuelle Gewalt als wichtiges Thema.

Vatikanstadt - 09.10.2018

Sexuelle Gewalt und Missbrauch in der katholischen Kirche waren nach Aussage des maltesisches Erzbischof Charles Scicluna auch am Montag weiterhin ein wichtiges Thema der Jugendsynode. Sie seien im Plenum und den Sprachgruppen diskutiert worden, berichtete der vatikanische Chefaufklärer in Sachen Missbrauch beim Pressebriefing am Montagnachmittag im Vatikan.

Zugleich betonte Scicluna, dies sei nur ein Aspekt der Jugendsynode. Er verwies darauf, dass Papst Franziskus für Februar ein Sondertreffen mit Vertretern der weltweiten Bischofskonferenzen zum Thema Kinderschutz einberufen hat. Dort könnten viele weitere Aspekte des Themas besprochen werden. Er betonte, dass Bischöfe nicht nur vor Gott Rechenschaft ablegen müssten, sondern auch vor den Gläubigen ihrer Diözesen.

Scicluna sagte, es bestehe ein "großes Verlangen nach Wahrheit und Gerechtigkeit, das nicht unvereinbar mit der Barmherzigkeit ist". Es gelte auch das Zivilrecht zu respektieren. Dass Klärungen der Kirchengerichte teilweise lange dauerten schmerze nicht nur ihn persönlich, sondern auch Franziskus: "Ich weiß als direkter Zeuge, wie sehr der Papst unter der Langsamkeit unserer Gerichte leidet", so Scicluna.

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Was beschäftigt junge Menschen heute? Woran glauben sie? Und wie kann die Kirche sie bei einem gelingenden (Glaubens-)Leben unterstützen? Darüber diskutieren die Bischöfe bei ihrerer weltweiten Synode vom 3. bis 28. Oktober 2018 im Vatikan.

Der vatikanische Chefaufklärer für Missbrauchsfälle bat um Geduld gegenüber dem Papst: "Gebt ihm Zeit", sagte der maltesische Erzbischof auf die Frage, was er jenen antworte, die dem Kirchenoberhaupt nicht mehr zutrauen, die Missbrauchskrise zu meistern.

Der neue Leiter des Medien-Dikasteriums, Paolo Ruffini, sagte, bei der Weltbischofssynode habe sowohl im Plenum als auch beim Austausch in den verschiedenen Sprachgruppen ein "gutes Klima" geherrscht. Die erste Woche war einer Analyse der Lebenswelt junger Leute auf der ganzen Welt gewidmet; ab Dienstagnachmittag sollen die Befunde aus christlicher Sicht bewertet werden.

Die bis 28. Oktober tagende Bischofssynode steht unter dem Titel "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung". Ausgewählte Jugendliche sind dort als Redner zugelassen, haben aber kein Stimmrecht. (luk/KNA)

10.10.2018, 13:00 Uhr: Richtige Übersetzung eines Zitats von Erzbischof Scicluna im dritten Absatz eingefügt