Recht in Frankreich
Vatikan will Untersuchungsergebnisse abwarten

Sexueller Übergriff: Französische Justiz ermittelt gegen Nuntius

Beim Pariser Neujahrsempfang soll der Papstbotschafter einen jungen Mann unsittlich berührt haben. Während die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Erzbischof Luigi Ventura eingeleitet hat, reagiert der Heilige Stuhl zurückhaltend.

Paris - 15.02.2019

Der päpstliche Nuntius in Paris, Erzbischof Luigi Ventura, wird eines sexuellen Übergriffs beschuldigt. Staatsanwalt Remy Heitz habe eine Untersuchung eingeleitet, berichten mehrere französische Medien am Freitag. Vatikansprecher Alessandro Gisotti erklärte am Mittag, man wolle die Ergebnisse dieser Untersuchung abwarten. Ventura (74) ist seit 2009 Vatikan-Gesandter in Frankreich.

Der Vorfall soll sich den Berichten zufolge beim Neujahrsempfang der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo Mitte Januar ereignet haben. Ventura habe einen jungen Mann der Delegation für internationale Beziehungen (DGRI) der Bürgermeisterin mehrmals unsittlich berührt.

Der Botschafter des Heiligen Stuhls hat beim Jahresempfang in Paris als älteste Vertretung in Frankreich traditionell eine besondere Rolle. Er hält zu Beginn der Veranstaltung einen Vortrag und begleitet die Bürgermeisterin von ihrem Büro in den Salon.

Dauerthema in französischen Medien

Die Nichtanzeige sexueller Übergriffe und Missbrauch durch Geistliche sind seit Monaten ein Thema in den französischen Medien. Im Januar fand ein Prozess gegen mehrere Geistliche statt, unter anderem den Lyoner Kardinal Philippe Barbarin. Am Mittwoch soll ein Film des Regisseurs Francois Ozon in die Kinos kommen, der sich mit dem Thema beschäftigt.

Ab Donnerstag findet im Vatikan ein internationaler Gipfel zum Thema Missbrauch statt. Zu dem viertägigen Treffen in Rom hat Papst Franziskus die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen, die Leiter der unierten Ostkirchen sowie zahlreiche männliche und weibliche Ordensobere eingeladen. Teilnehmen werden außerdem die Leiter aller Vatikan-Behörden, die Päpstliche Kinderschutz-Kommission sowie Missbrauchsopfer aus allen Erdteilen. (KNA)