Wegen Missbrauch: Bistum Erfurt stellt Strafanzeige gegen Priester
Taten sollen sich zwischen 1962 und 1965 ereignet haben

Wegen Missbrauch: Bistum Erfurt stellt Strafanzeige gegen Priester

Das Bistum Erfurt hat über einen Missbrauchsfall informiert. Ein heutiger Ruhestandspriester soll einen Minderjährigen zwischen 1962 und 1965 mehrfach missbraucht haben. Der damalige Bischof Joachim Wanke räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben.

Erfurt - 19.12.2018

Das Bistum Erfurt hat wegen des Verdachts des mehrfachen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen bei der Staatsanwaltschaft Mühlhausen Strafanzeige gegen einen Priester erstattet. Die Taten sollen sich zwischen 1962 und 1965 im heutigen Kyffhäuserkreis ereignet haben, wie die Diözese am Mittwoch mitteilte. Der Beschuldigte, der die gegen ihn erhobenen Vorwürfe laut Bistum bestreitet, lebe seit vielen Jahren im Ruhestand und übe keine seelsorgliche Tätigkeit mehr aus.

Zusätzlich zur staatsanwaltlichen Untersuchung habe der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr nach Bekanntwerden der Vorwürfe ein kirchliches Verfahren eingeleitet und dem beschuldigten Priester untersagt, Kontakte zu Minderjährigen zu suchen oder zu pflegen. Außerdem dürfe er bis auf weiteres keine Gottesdienste leiten oder Sakramente spenden, erklärte das thüringische Bistum.

Altbischof Wanke bekennt: Das habe ich zu verantworten

Das mutmaßliche Opfer hatte sich nach Angaben des Bistums bei einem der Beauftragten der Diözese zur Meldung und Prüfung von Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gemeldet. Bis zu diesem Zeitpunkt seien der Bistumsleitung keine Verdachtsfälle gegen den beschuldigten Priester bekannt gewesen. Auch in der Personalakte des Mannes habe sich kein Hinweis gefunden. "Außerhalb der Personalakte fand sich allerdings eine Aktennotiz des damaligen Personalverantwortlichen und späteren Weihbischofs Hans-Reinhard Koch aus dem Jahr 1989 über Vorwürfe, der Priester habe 'homosexuelles Verhalten Jugendlichen gegenüber' gezeigt", so das Bistum. Damals sei es jedoch bei Ermahnungen geblieben, wohl auch, weil der Beschuldigte auch damals schon die Taten bestritten habe.

Bild: © KNA

Bekannte sich zu seiner Verantwortung in dem Fall: Erfurtes Altbischof Joachim Wanke.

Der damalige Bischof Joachim Wanke räumte mit Blick auf die Aktennotitz von 1989 jetzt ein, einen Fehler gemacht zu haben. "Ich wünschte mir, den Vorwürfen wäre damals genauso sorgfältig nachgegangen worden, wie es heute geschieht", so Wanke. Dann hätte er vielleicht andere Konsequenzen ziehen müssen. "Das habe ich zu verantworten", so der ehemalige Bischof.

Neymeyr will weitere Akten untersuchen lassen

Bischof Neymeyr kündigte an, es nicht bei der Aufklärung dieses einzelnen Falls zu belassen. Im neuen Jahr werde er unabhängige Fachleute beauftragen, über die bereits gesichteten Personalakten hinaus sämtliche im Bischöflichen Ordinariat vorhandenen personenbezogenen Akten von Klerikern daraufhin zu untersuchen, ob es Hinweise auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger gebe. "Ich will Klarheit. Das schulden wir den Opfern sexuellen Missbrauchs", so Neymeyr.

Schon vor der Strafanzeige gegen den jetzt beschuldigten Priester hatte das Bistum eigenen Angaben zufolge gegenüber der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft schriftlich erklärt, bei Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs vollumfänglich zu kooperieren und sämtliche von der Staatsanwaltschaft angeforderten Akten herauszugeben. Dies werde auch im aktuellen Fall geschehen. Neymeyr rief zudem erneut dazu auf, jeglichen Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im kirchlichen Umfeld bei den Missbrauchsbeauftragten des Bistums Erfurt zu melden. Der Kontakt könne telefonisch, per E-Mail oder Brief erfolgen. (stz)