Zeitung: US-Bischof belästigte Priester und verschenkte Kirchengelder
Auch Kardinäle in den USA und im Vatikan seien bedacht worden

Zeitung: US-Bischof belästigte Priester und verschenkte Kirchengelder

Neue Vorwürfe erschüttern die US-Kirche: Ein Bischof soll jahrelang Kirchengelder an junge Priester verschenkt haben, die er sexuell belästigt hat. Auch hochrangige Kardinäle und Erzbischöfe erhielten demnach Schecks von ihm.

Washington - 07.06.2019

Der frühere Bischof der Diözese Wheeling-Charleston im US-Bundesstaat West Virginia, Michael Joseph Bransfield (75), soll Medienberichten zufolge über Jahre hinweg mit Kirchengeldern Geldgeschenke an junge Priester finanziert haben, die er sexuell belästigt hat. Wie die "Washington Post" am Mittwoch (Ortszeit) berichtet, seien auch Kardinäle in den USA und im Vatikan bedacht worden. Die Zeitung beruft sich auf kirchliche Dokumente, die ihr vorliegen.

Demnach habe Bransfield, der im September 2018 in den Ruhestand ging, in seiner 13 Jahre währenden Amtszeit Schecks in Höhe von bis zu 15.000 Dollar von seinem persönlichen Konto unterschrieben, deren Geldbeträge ihm nachträglich von der Diözese erstattet worden seien. Insgesamt soll der Bischof 565 Schecks ausgestellt haben.

Unter den Empfängern sollen auch elf prominente Kleriker sein, deren Namen aus den Untersuchungsunterlagen herausgenommen wurden, sagte der Erzbischof von Baltimore, William Lori, der nach dem Ausscheiden von Bransfield von Papst Franziskus zum Apostolischen Administrator der Diözese ernannt worden war. Auch er selbst habe Geld von Bransfield erhalten. Unter den Würdenträgern, die Schecks erhalten haben sollen, sollen sich unter anderen der frühere Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, der Erzbischof von New York, Kardinal Timothy Dolan, und der ehemalige vatikanische Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, befinden.

"Extravaganter und üppiger Lebensstil"

Fünf Laienermittler kamen laut dem Bericht zu dem Schluss, dass die Geldgeschenke den Tatbestand des Machtmissbrauchs erfüllen. Bransfield selbst steht im Verdacht, erwachsene Priester sexuell belästigt und finanzielle Unregelmäßigkeiten verschuldet zu haben. So habe er einen "extravaganten und üppigen Lebensstil" geführt, heißt es in dem Untersuchungsbericht. In seiner Bischofszeit habe er für Reisen rund 2,4 Millionen Dollar an Kirchengeldern ausgegeben. Dazu gehörten den Angaben zufolge auch täglich 100 Dollar für frische Blumen und 1.000 Dollar pro Monat für Alkohol.

Erzbischof Lori verkündete am Mittwoch, dass er die Erlaubnis habe, den früheren Amtssitz von Bransfield zu verkaufen. Der Erlös solle für die Entschädigung von Missbrauchsopfern verwendet werden. Die Diözese Wheeling-Charleston zählt 78.000 Katholiken.

Erzbischof Carlo Maria Vigano

Zu den von Bischof Bransfield mit Geldern "bedachten" Würdenträgern soll auch Ex-Nuntius Erzbischof Carlo Maria Viganò zählen.

Noch ein weiterer Fall mit Zahlungen im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal sorgt derzeit für Schlagzeilen in den USA: Die katholische Kirche soll einem Untersuchungsbericht zufolge Millionensummen an Lobbyisten gezahlt haben, um Schadenersatzklagen wegen sexuellen Missbrauchs durch Geistliche zu verhindern. Laut dem am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichten Report, den die Anwaltskanzleien Williams Cedar und Seeger Weiss in Auftrag gegeben hatten, flossen zwischen 2011 und 2018 rund 10,6 Millionen US-Dollar an Lobbyisten in acht nordöstliche US-Bundesstaaten. Dort waren zu dieser Zeit Verjährungsfristen in Arbeit oder in Betracht gezogen worden.

"Kirche weigert sich, Verantwortung zu übernehmen"

Der Bericht lege nahe, "was wir schon immer gewusst haben - dass die katholische Kirche sich weigert, die Verantwortung für den jahrelangen Missbrauch zu übernehmen, der wissentlich unter ihrer Aufsicht stattgefunden hat", sagte Anwalt Stephen Weiss dem Sender NBC News.

Allein an Lobbyisten in Pennsylvania wurden laut dem Bericht "Church Influencing State" knapp 5,5 Millionen US-Dollar ausgezahlt. In dem Bundesstaat hatte der Bericht eines Geschworenengremiums im vergangenen August rund 1.000 Missbrauchsopfer und 300 beschuldigte Priester identifiziert. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates, Josh Shapiro, hatte damit eine Führungsrolle im Bemühen um die Abschaffung der Verjährungsfristen übernommen.

Die umfangreiche Lobbyarbeit der katholischen Kirche in Pennsylvania gegen die von der Grand Jury empfohlenen Reformen beweise, so Shapiro, dass man der Kirche nicht zutrauen könne, sich selbst zu überwachen. (tmg/KNA)