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Standpunkt

"Demut" muss die Parole der deutschen Kirche werden!

Die Führung der katholischen Kirche in Deutschland habe sich in Isolationshaft begeben, findet Joachim Frank. Beispiel: Die Reaktion des Ständigen Rats der Bischöfe zum Vorstoß von vier Oberhirten. Dabei wäre ein Mentalitätswandel dringend nötig.

Von Joachim Frank |  Bonn - 18.02.2019

"Die Kirche befindet sich in einer existenziellen Krise, die vom Missbrauchsskandal nicht ausgelöst ist, hierin wohl aber einen Brennpunkt findet. Die Krise ist eine Glaubenskrise, eine Strukturkrise, eine Leitungskrise – mit einem Grundproblem: Leben und Reden fallen in der Kirche weit auseinander. Es braucht einen echten kirchlichen Wandel, der mit einem Mentalitätswandel (Demut) der Verantwortlichen beginnen muss…"

Gibt es eigentlich Leute, die auch nur im Entferntesten mit der katholischen Kirche zu tun haben und diese Sätze nicht unterschreiben können? Ja, es gibt sie: Die deutschen Bischöfe sahen sich in der jüngsten Sitzung ihres Ständigen Rats nicht in der Lage, eine Beschlussvorlage aus den eigenen Reihen mit diesem Inhalt überhaupt nur zu diskutieren, geschweige denn, sich den damit verbundenen Vorstoß für eine nationale Synode zu eigen zu machen.

"Wichtig erscheint, dass das Suchen und Ringen um Lösungen offen, transparent und partizipativ gestaltet wird", schrieben die Bischöfe Peter Kohlgraf (Mainz), Stefan Oster (Passau), Franz-Josef Overbeck (Essen) und Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) mit Unterstützung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz. Sie warben für ein "starkes Signal" und warnten im Gegenzug vor einer kommunikativen "Isolation der Bischöfe".

Die Reaktion des Ständigen Rats lässt im Umkehrschluss nur ein Fazit zu: Die Führungsspitze der katholischen Kirche in Deutschland hat sich in Isolationshaft begeben. Bischöfe selbst sprechen von heilloser Zerstrittenheit, die im Grunde kein gemeinsames Handeln mehr zulasse. Im Umgang mit der Missbrauchskrise sind sie nach der ersten Phase einer Schockstarre und der zweiten Phase eines teils überzeugten, teils taktisch motivierten Aktionismus nun als drittes in den Aggregatzustand der Selbstblockade eingetreten.

Krisenmomente wie diese sind in der Kirchengeschichte nicht neu. Konflikte wurden früher vielleicht noch heftiger und erbitterter ausgetragen als heute. Aber wie reagierte die Kirche darauf? Modern ausgedrückt, mit organisationslogischer Klugheit und einem sorgsam kalibrierten Krisenmanagement in bewährten Formaten namens Synoden und Konzilien. Diese haben den Bestand der Kirche durch die Jahrtausende gesichert – nach biblischem Zeugnis ein sicheres Kennzeichen für die Präsenz des Heiligen Geistes.

In der deutschen Kirche dagegen weht heute der Ungeist. "Missbrauch des Missbrauchs!", dröhnt die Parole der Reformverweigerer. Dagegen hat die Stimme der Vernunft es schwer: "Es braucht einen echten kirchlichen Wandel, der mit einem Mentalitätswandel (Demut) der Verantwortlichen beginnen muss." Das muss die Parole aller werden, denen noch an dieser Kirche liegt.  

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger", der "Berliner Zeitung" und der "Mitteldeutschen Zeitung". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP). Die GKP verleiht mit der Deutschen Bischofskonferenz und dem Katholischen Medienverband alljährlich den Katholischen Medienpreis.

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