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Die CDU wird wieder katholisch – na und?

Wen die CDU auch wählt: Der oder die neue Vorsitzende ist katholisch, Jahrzehnte protestantischer Dominanz in der Union enden – aber stimmt das denn? Nein, kommentiert Felix Neumann: Das Zeitalter konfessioneller Politik ist vorbei.

Von Felix Neumann |  Bonn - 05.12.2018

Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de

Am Freitagabend hat die CDU voraussichtlich einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende. Wie die Wahl auch ausgehen wird: An der Spitze der Volkspartei wird wieder ein Katholik stehen. Aber tut das noch etwas zur Sache?

Dass drei Katholiken um den CDU-Vorsitz ringen, räumt mit einer Erzählung über den Verfall des politischen Katholizismus auf. Gut 20 Jahre lang waren mit Kanzlerin und Präsident in verschiedenen Konstellationen Protestanten in den höchsten Ämtern (unterbrochen nur von der kurzen Amtszeit Christian Wulffs), die CDU war seit Kohls Abgang evangelisch an der Spitze und auch im politischen Katholizismus schwächer als einst: 2012, als die "Welt" titelte, dass die Protestanten die Republik übernehmen, war der einzige Ministerpräsident im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ein Grüner, der einzige Parteichef dort von der FDP. "Deutsche Protestantische Republik", hieß es im Spiegel vor dem Lutherjahr. Solche Abgesänge auf die Relevanz des Katholischen in der Politik und in der CDU werden jetzt wohl eingemottet: Die SPD wird schon, die CDU bald von Katholiken geführt, mit großer Wahrscheinlichkeit ist die nächste Bundeskanzlerin katholisch.

Die scheinbare protestantische Hochphase war allerdings ebenso wenig Zeichen eines Bedeutungsverlusts des Katholischen wie einer neuen evangelischen Hegemonie. Es war schlicht ein Zufall in einer postkonfessionellen politischen Öffentlichkeit, in der die Notwendigkeit eines konfessionellen Proporzes nicht nur in der Union lange vorbei ist. Die aktuelle katholische Konjunktur in den Noch- und Nichtmehr-Volksparteien (und mit Winfried Kretschman bei den Vielleicht-demnächst-Volksparteien) ist ebenfalls Zufall und nicht konfessionelles Menetekel: Die Parteibücher sind nicht mehr nach Gesangbuch sortiert, die Konfessionen in sich diverser.

Die drei sehr verschiedenen CDU-Bewerber zeigen das: Jens Spahn hat erste politische Erfahrungen im Bund der Deutschen Katholischen Jugend gesammelt – auch wenn der BDKJ mit seinen politischen Positionen heute großteils über Kreuz liegt. Seine Position zur Homoehe wird dort aber auf mehr Zustimmung stoßen als die von Annegret Kramp-Karrenbauer. Habituell und sozialpolitisch passt die bodenständige Saarländerin wiederum in jede kfd-Ortsgruppe. Friedrich Merz schließlich wird im ZdK kaum Verbündete finden, dafür bei den katholischen Staatsrechtlehrern, die sich kritisch gegen Merkels Flüchtlingspolitik wendeten.

Es gibt kein geschlossenes katholisches Milieu mehr. Es gibt auch keinen politischen Katholizismus mehr, in dem Kolping die Vorfeldorganisation der Union ist. Und die eine katholische Position in der Politik hat es wohl nie gegeben. Aber es sind immer noch vor allem Christen, die Verantwortung in der Politik übernehmen. Welcher Konfession, ist dabei egal.

Von Felix Neumann

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Felix Neumann ist Redakteur bei katholisch.de.

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