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Standpunkt

Die katholische Kirche muss ihr Image-Problem lösen

Der "Gemeinwohlatlas" bescheinigt der katholischen Kirche eine desaströse Außenwirkung. Das werde ihrer tatsächlichen Rolle in der Gesellschaft nicht gerecht, kommentiert Gabriele Höfling. Die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit müsse deshalb neu ausgerichtet werden.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 22.05.2019

Zuerst dachte ich, es handele sich um einen Zahlendreher: Beim "Gemeinwohlatlas", der misst, was die 137 wichtigsten Unternehmen und Institutionen in Deutschland zum Gemeinwohl beitragen, landet die katholische Kirche abgeschlagen auf Platz 102; weit hinter der evangelischen Kirche (Platz 19), sogar Unternehmen wie Thyssen-Krupp und BASF schneiden noch besser ab.

Ja es stimmt: Die katholische Kirche steckt durch den Missbrauchsskandal in einer selbst verschuldeten, tiefen Krise. Dennoch hat mich das Umfrageergebnis in seiner brutalen Deutlichkeit erschreckt. Denn aus ihm spricht - neben aller berechtigten Kritik - auch eine verzerrte Wahrnehmung der Kirche in der Öffentlichkeit, die ihrem vielfältigen Engagement keinesfalls entspricht. Dass der Glaube vielen Menschen Halt gibt, dass die Kirche sich für Menschen in Not einsetzt, lautstark ihre Stimme gegen rechts erhebt, das ist ein beachtlicher Beitrag für das Gemeinwohl.  

Für viele Menschen ist das offensichtlich nicht mehr erkennbar. Dafür jedoch sie selbst oder "die Gesellschaft" verantwortlich zu machen, wäre der falsche Schluss. Vielmehr muss die katholische Kirche sich eingestehen, dass sie ein massives Image-Problem hat und von nun an aktiv daran arbeiten. Wieviel Wirkung aktuell verschenkt wird, zeigt die Tatsache, dass Caritas (Platz 14) und Malteser (Platz 9) beim Gemeinwohlatlas sehr gut abschneiden, das aber offensichtlich kaum mit der Kirche als Ganzes in Verbindung gebracht wird. Solche Lücken müssen jetzt geschlossen werden.

Die Kirche braucht eine mutigere und offensivere Öffentlichkeitsarbeit, die nicht altbacken wirkt oder aktuellen Trends etwa im Internet hinterherhinkt. Wünschenswert wären etwa eine kritische kirchliche Presse und noch mehr Bischöfe, die souverän und sicher in den (sozialen) Medien agieren. Damit die Kirche mit einer, wirkmächtigen Stimme sprechen kann, bräuchte es zudem mehr Einigkeit und weniger Streitereien zwischen den 27 Oberhirten. Im Kontakt mit kirchenfernen Menschen könnte sich die Kirche in der Seelsorge noch mehr als eine Art spirituellen Dienstleister anbieten. Und in Bezug auf die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals gilt natürlich das Gebot einer unbedingten Aufklärung, die auch nach außen transparent gemacht wird. So sollte es der Kirche nicht schwer fallen, zu zeigen, dass sie beim Gemeinwohl mit großen Industriekonzernen durchaus mehr als mithalten kann.

Von Gabriele Höfling

Die Autorin

Gabriele Höfling ist Redakteurin bei katholisch.de.

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