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Standpunkt

Tanzverbot am Karfreitag: Eine vertiefte Debatte ist nötig!

Jedes Jahr wird aufs Neue das Tanzverbot am Karfreitag kritisiert, jedes Jahr weisen die Kirchen aufs Neue diese Kritik zurück. Dieser allzu verständliche Reflex ist falsch, glaubt Andrea Hoffmeier – und fordert in ihrem Kommentar eine ehrliche Debatte.

Von Andrea Hoffmeier |  Bonn - 18.04.2019

Andrea Hoffmeier ist Bundesgeschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland.

Alle Jahre wieder gibt es heftig geführte Debatten um das Tanzverbot zu Karfreitag. In den letzten Jahren kam es schon zu ersten Lockerungen. Im Gegenzug wiederholen die Kirchen gebetsmühlenartig die hohe Bedeutung dieses und überhaupt ihrer Feiertage. Das ist in der Regel auch mein erster Reflex: Das Bewährte muss doch erhalten bleiben! Warum können oft gerade die Menschen, die am lautesten Toleranz einfordern, es selber nicht aushalten, wenige Tage im Jahr auf ein Vergnügen zu verzichten, um einer doch noch sehr großen Bevölkerungsgruppe und ihrem Glauben Respekt zu erweisen?

Eigentlich handelt es sich sogar nur um einen Tag im Jahr, denn das Tanzverbot wird häufiger für den Karfreitag diskutiert als zum Totensonntag oder Volkstrauertag, die auf einen Sonntag fallen. Aber greift dieser Reflex auf Dauer nicht zu kurz? Werden wir nicht wieder nur als Hüterin alter Pfründe wahrgenommen? Der Frage, wie wir zukünftig in einer säkularen, pluraler werdenden Gesellschaft mit Feiertagen umgehen, müssen wir uns stellen. Feiertage sollen an das religiöse und kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft erinnern. Sollten sie dann aber nicht auch mit Leben gefüllt und sichtbar begangen werden?

Wir Christen können uns der trügerischen Sicherheit hingeben: Solange es noch christliche Feiertage gibt, gibt es uns noch als Volkskirche. Fragen zu Feiertagen in Quizsendungen oder in Umfragen offenbaren allerdings, ein großer Teil der Menschen in Deutschland weiß nicht, warum sie frei haben. Historisch gesehen sind Feiertage jedoch nicht fix, sondern beschreiben, wozu die Mehrheit einer Gesellschaft sich vereinbart hat, was zu gedenken ihr wichtig ist. Eine vertiefte Debatte ist nötig, birgt aber die Gefahr, dass christliche Feiertage abgeschafft werden, beinhaltet jedoch auch die Chance einer besseren Auseinandersetzung mit ihren Inhalten und dem, was uns was wert ist und wie wir dessen gemeinsam gedenken wollen - und wer weiß, vielleicht am Ende auch einer Festigung und bewussteren Feierkultur christlicher Feiertage?!

Von Andrea Hoffmeier

Die Autorin

Andrea Hoffmeier ist Akademiedirektorin der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

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