Gabriele Amorth zählt zu den bekanntesten Exorzisten.
Der Gründer der internationalen Exorzistenvereinigung starb an einem Lungenproblem

Roms langjähriger Exorzist Gabriele Amorth ist tot

Kirche - Der Teufel verliert seinen größten Feind. Im Alter von 91 Jahren ist der wohl bekannteste Exorzist gestorben. Sein Vermächtnis: der Weltverband der Dämonenaustreiber und pointierte Aussagen zu Hitler und Harry Potter.

Bonn/Rom - 17.09.2016

Gabriele Amorth, der frühere Exorzist der Diözese Rom, ist am Freitag im Alter von 91 Jahren gestorben. Dies teilen italienische Medien mit. Der 1925 in Modena geborene Priester trat im Alter von 22 Jahren der Pauliner-Kongregation in Alba bei und wurde 1951 zum Priester geweiht. 1985 ernannten ihn der Generalvikar des Bistums Rom zum Diözesanexorzisten. Sein Charisma und seine pointierten Aussagen machten ihn zu einem der bekanntesten Exorzisten weltweit. "Das Böse existiert, aber es fürchtet unseren Herrn", sagte er häufig bei Vorträgen über dämonische Besessenheit.

"Ich spreche jeden Tag mit dem Teufel", sagte er 2000 in einem Interview der britischen Zeitung "Sunday Telegraph". Er rede dann Latein. Der Teufel antworte auf Italienisch.

Fachmann für Dämonisches

Gegenüber Zeitungen erklärte er, dass sowohl Stalin wie Hitler vom Teufel besessen gewesen seien, er warnte Eltern davor, ihre Kinder die Harry-Potter-Romane lesen zu lassen, und bezeichnete Yoga als "satanisch". Aufsehen erregte er auch mit seinen Memoiren, in denen er von "satanischen Sekten" berichtete, die im Vatikan tätig seien. Nach eigenen Angaben habe er im Lauf seiner Tätigkeit mehrere Zehntausend Exorzismen ausgeführt.

Bis zuletzt blieb Amorth ein streitbarer Anwalt dieser auch innerhalb der katholischen Kirche teils kontrovers debattierten Praxis. Man könne die Realität des Bösen nicht leugnen. Wenn sich die Kirche davon verabschiede, überlasse sie das Feld Kartenlegern, Magiern und Sekten, betonte er.

Der Autor mehrerer Bücher zum Thema Exorzismus gründete 1994 die "Internationale Vereinigung der Exorzisten" (AIE) und leitete sie bis 2000, danach amtierte er als ihr Ehrenvorsitzender. In der AIE organisieren sich gut 250 als Exorzisten tätige Priester aus 30 Ländern. 2014 wurde sie vom Vatikan offiziell anerkannt. Nach einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt wegen Lungenproblemen starb Gabriele Amorth am 16. September 2016. Sein Lebensthema bleibt in der Kirche präsent: Seit einigen Jahren gibt es in Rom einen Grundkurs für Exorzisten. (fxn/KNA)

Linktipp: Wenn man vom Teufel spricht

2014 haben sich an der Universität "Regina Apostolorum" der Legionäre Christi 200 Exorzisten, Psychologen, Psychotherapeuten und interessierte Laien zu einer Tagung mit dem Titel "Exorzismus und Gebet der Befreiung" getroffen.

Stichwort: Exorzismus

Unter Exorzismus wird die rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister aus Personen, Lebewesen oder Gegenständen verstanden. Solche Praktiken gibt es in allen Kulturen. Sie sollen der ganzheitlichen Reinigung und Heilung dienen. Das Wort stammt vom griechischen Begriff "exorkizein" ab und bedeutet "wegbeschwören".

Die katholische Kirche versteht unter dem Begriff eine Bitte an Gott, den Menschen von der Macht des Bösen zu befreien. Der Exorzismus kann auch einen im Namen Jesu Christi an den Teufel gerichteten Befehl umfassen, den Betroffenen zu verlassen. Die Vollmacht zum Vollzug des Exorzismus leitet die Kirche aus dem Neuen Testament ab. Vorbild sind die Dämonenaustreibungen Jesu.

Der Exorzismus besteht aus Gebeten sowie Segens- und Beschwörungsformeln. In einfacher Form wird er bei der Taufe vollzogen. Der sogenannte feierliche oder "Große Exorzismus" darf laut dem Kirchenrecht von 1983 nur nach Genehmigung des zuständigen Bischofs von einem geeigneten Priester vorgenommen werden.

1999 legte der Vatikan neue Richtlinien vor, um stärker die Erkenntnisse der Medizin und Psychiatrie zu berücksichtigen. Die 90-seitige Sammlung von Gebeten, Segens- und Beschwörungsformeln ersetzte eine Fassung von 1614. Nach den neuen Regelungen muss ein Exorzist sorgfältig überprüfen, ob tatsächlich ein Fall von Besessenheit vorliegt. Gegebenenfalls soll er sich mit Medizinern und Psychiatern beraten. (KNA)