Ökumene: Papst sieht kaum Chancen auf Einigung
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Franziskus dämpft Erwartungen an ökumenisches Reformationsgedenken

Ökumene: Papst sieht kaum Chancen auf Einigung

Eine theologische Annäherung über die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre hinaus sei schwierig, so der Papst. Kurz vor dem Reformationsgedenken sieht er andere Wege des Entgegenkommens.

Rom/Berlin - 29.10.2016

Kurz vor dem ökumenischen Reformationsgedenken im schwedischen Lund hat Papst Franziskus sich zurückhaltend über die Chancen einer theologischen Einigung zwischen Katholiken und Lutheranern geäußert. Die 1999 unterzeichnete "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" sei ein "großer Schritt nach vorne" gewesen, sagte er in einem Interview der italienischen Zeitschrift "Civilta Cattolica". Nach diesem Erfolg gehe er davon aus, dass es "nicht leicht sein wird, weiterzukommen, aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeiten, einige theologische Fragestellungen zu verstehen". Dennoch dürfe man nicht aufgegeben, so der Papst.

Franziskus: Miteinander reden und beten

Zugleich forderte Franziskus, die Ökumene auch außerhalb des fachtheologischen Gesprächs voranzutreiben. "Miteinander reden, beten und Zusammenarbeiten, das ist der Weg, den wir gehen müssen", sagte Franziskus. Er wandte sich zudem gegen eine gezielte gegenseitige Abwerbung von Gläubigen. "Es ist eine Sünde, im kirchlichen Bereich Proselytismus zu betreiben."

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Was bedeutet Ökumene? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".

Am Montag reist Franziskus nach Schweden. Anlass ist der 500. Jahrestag der Reformation. Gemeinsam mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes (LWB) nimmt das katholische Kirchenoberhaupt am Reformationstag in Lund an einer ökumenischen Gedenkveranstaltung teil. Am Dienstag (1. November) feiert Franziskus zu Allerheiligen mit Katholiken eine Messe in Malmö, bevor er nach Rom zurückfliegt.

Dass die Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsgedenken in Deutschland ausgerechnet in der Hauptstadt beginnen, freut Berlins katholischen Erzbischof Heiner Koch. "Das macht deutlich, dass Luthers Reformation zwar in Wittenberg begann, aber bis heute Auswirkungen hat auf das Verhältnis von Staat und Kirche, für die Gegend, die heute Deutschland heißt und in Berlin ihre Hauptstadt hat", sagte er am Samstag im rbb-Radio.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) feiert am Montag einen Festgottesdienst in der Berliner Marienkirche. Im Anschluss findet im Konzerthaus am Gendarmenmarkt der staatliche Festakt "500 Jahre Reformation" mit Bundespräsident Joachim Gauck statt. (gho/KNA)