Schachfigur
Ludwig Ring-Eifel über den offenen Brief an den Papst

Zweifelnde Kardinäle

Ludwig Ring-Eifel über den offenen Brief an den Papst

Von Ludwig Ring-Eifel |  Bonn - 17.11.2016

Das Timing ist perfekt: Kurz bevor in Rom alle Kardinäle zusammenkommen, um neu ernannte Purpurträger in ihre Reihen aufzunehmen, ist die Bombe geplatzt. Die Kardinäle Brandmüller, Burke, Caffarra und Meisner haben einen Brandbrief veröffentlicht. Auf acht Druckseiten legen sie dar, was sie für die kirchenrechtlichen und moraltheologischen Schwachpunkte des Papstschreibens "Amoris laetita" halten.

Gnadenlos sezieren sie die umstrittenen Passagen des vor acht Monaten erschienen Textes. Was als Gerippe übrig bleibt, sieht auf den ersten Blick aus wie ein Gewebe logischer Widersprüche in der Argumentation des Papstes. Zur Erinnerung: Mit "Amoris laetitia"  wollte Franziskus eine neue Ära des barmherzigen Umgangs der Kirche mit jenen Gläubigen einleiten, die nach einer Scheidung eine neue dauerhafte intime Beziehung eingegangen sind. Laut Kirchenrecht und katholischer Morallehre ist deren Lebenssituation "irregulär" und "objektiv sündhaft". Den Seelsorgern wollte der Papst neue Möglichkeiten an die Hand geben, diese Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg zu begleiten und ihnen "im Einzelfall" und unter Bedingungen den Zugang zu Beichte und Kommunion zu eröffnen.

Genau diesen Weg der fallweise und klug angewandten Barmherzigkeit stellen die vier Kardinäle radikal in Frage und erinnern an die von ihnen für unverrückbar gehaltenen moraltheologischen Grundsätze. Trocken stellen die Kardinäle fest: Wenn man den Argumenten von "Amoris laetita" folgte, gäbe es Fälle von tugendhaften Ehebruch. Und: Gläubige könnten dann auch im Bewusstsein einer schweren Sünde die Kommunion empfangen.

Die vier lassen keinen Zweifel daran, dass sie das für gefährlich halten. Was Franziskus eigentlich wollte - die hehren Prinzipien retten, indem er eine flexible Anwendung erlaubt - ginge schief und würde am Ende die Prinzipien selbst einstürzen lassen. Diesen dogmatischen Pessimismus bringen sie mit Nachdruck ins Wort, und versuchen damit erneut die Debatte zu öffnen, die eigentlich mit dem Papstwort in "Amoris laetitia" abgeschlossen sein sollte.  Der Papst und seine Vordenker täten gut daran, ihre eigenen Argumente noch einmal zu schärfen und theologisch zu untermauern. Natürlich könnten sie die Kritik der Kardinäle auch als unsinnigen Einwurf ewiggestriger Pensionäre abtun, aber damit würden sie es sich dann doch zu einfach machen.

Von Ludwig Ring-Eifel

Der Autor

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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