Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, und Papst Franziskus bei den Beratungen der Bischofssynode zu Ehe- und Familienthemen im Oktober 2014 im Vatikan.
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Kardinal Gerhard Ludwig Müller weist Gerüchte zurück

Müller kritisiert Spekulationen um sein Amtsende

Um die Abberufung Kardinal Gerhard Ludwig Müllers durch Papst Franziskus gibt es zahlreiche Gerüchte. Nun wies Müller sie zurück: Wer dies behaupte, habe die Aufgabe des Kardinals nicht verstanden.

Bonn - 24.07.2017

Kardinal Gerhard Ludwig hat eine ideologische Instrumentalisierung seines Ausscheidens aus der Glaubenskongregation kritisiert. Es sei "falsch, die Kirche sozusagen in zwei ideologische Flügel aufzuteilen und die eigene Energie darin zu investieren, dass der eine den anderen überwindet", sagte er der Würzburger Zeitung "Die Tagespost" am Freitag. "Wir sind katholisch, und es gibt nicht konservative und progressive Wahrheiten". Die Berichte über das Ende seiner Amtszeit seien demnach "von verschiedenen Seiten sicher" instrumentalisiert worden. So verfalle nun ein Teil der Beobachter in Jubel, "weil er die Rolle des Präfekten völlig falsch einschätzt", sagte Müller.

Weiter erklärte der Kardinal, er habe mit seinem Nachfolger als Präfekt der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Luis Ladaria, "in vollkommener Harmonie" zusammengearbeitet. Auch bei der Auslegung des Päpstlichen Schreibens "Amoris  laetitia" habe es keinen Dissens zwischen ihnen gegeben, sagte Müller. Der ehemalige Regensburger Bischof war Anfang Juli überraschend bereits nach einer ersten fünfjährigen Amtszeit als Präfekt aus der wichtigsten Kurienbehörde ausgeschieden. Zum Nachfolger hatte Franziskus den bisherigen Sekretär, den aus Spanien stammenden Ladaria, ernannt. In der Folge kam es zu Spekulationen, wonach Müllers Lesart von "Amoris laetitia" Grund für sein Ausscheiden gewesen sein soll.

Der neue Leiter der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria
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Mit seinem Nachfolger als Leiter der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria (im Bild), habe er stets "in vollkommener Harmonie" zusammengearbeitet, sagt Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Das angeblich angespannte Verhältnis zum Papst wollte Müller im Interview mit der "Tagespost" nicht bestätigen. Seine Aufgabe als Kardinal sei es, gemeinsam mit dem Papst und unter dessen Leitung der Kirche zu dienen. "Ich halte es für sehr wichtig, dass sich die Kirche nicht mit politischen Organisationen vergleicht oder wie ein Sozialkonzern oder eine internationale Hilfsorganisation agiert." Daher stehe die Kirche auch "nicht unter dem Gesetz politischer und ideologischer Machtkämpfe", erklärte der ehemalige Präfekt.

Müller: Sehe keinen Plan hinter Kurienreform

Dies gelte es auch beim Blick auf die römische Kurie zu beachten, die "nicht einfach ein Verwaltungsapparat für eine weltliche Institution" sei, sagte Müller. Weiter äußerte er deutliche Kritik an der von Papst Franziskus angestoßenen Kurienreform: "Man sieht allenfalls einige Baustellen, aber welcher Plan dahintersteht, erschließt sich mir bislang nicht." Aus kirchlicher Sicht müsse eine Reform als "innere geistige und geistliche Erneuerung in Christus" verstanden werden. Auch die Glaubenskongregation war bereits Gegenstand der Reform gewesen. Laut Medienberichten war es dabei Ende vergangenen Jahres bei Kardinal Müller zu Verstimmungen gekommen, nachdem der Papst drei Mitarbeiter der Behörde gegen den Willen des Leiters entlassen haben soll. (kim)

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Überraschung im Vatikan: Papst Franziskus hat die Amtszeit von Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller nicht verlängert. Der Präfekt der Glaubenskongregation trat Anfang Juli ab. (Artikel von Juni 2017)