Ein Brautpaar sitzt vor dem Altar.
Kanadisches Ehepaar heiratet vor Ordensschwester

Ordensfrau leitet kirchliche Trauung

Sakramente - Die Ehe ist ein besonderes Sakrament: Die Brautleute spenden es sich gegenseitig. Dennoch muss ein Kleriker bei der Feier assistieren. In Kanada hat nun ein Paar kirchlich geheiratet – ohne Priester, dafür mit Ordensschwester.

Bonn - 03.08.2017

In Kanada hat eine Ordensfrau eine katholische Hochzeit geleitet. Im bischöflichen Auftrag habe Schwester Pierrette Thiffault bei der Trauung in einer Dorfkirche assistiert, berichtet der "Catholic News Service" (CNS). Wie vom Kirchenrecht vorgesehen, erhielt sie dazu eine Sondererlaubnis aus dem Vatikan.

Die Hochzeit im Dorf Lorrainville in der westkanadischen Region Quebec hat laut der Berichte bereits am 22. Juli stattgefunden. Den Bräutigam David kenne die Ordensfrau demnach bereits seit sie dessen Schulzeit, als sie als Katechetin tätig war. Anlass für ihre Beauftragung mit der Feier der Trauung war jedoch der Priestermangel im Bistum. Die Diözese Rouyn-Noranda ist mit gut 24.000 Quadratkilometern etwa so groß wie das Land Mecklenburg-Vorpommern. Derzeit verfüge sie jedoch nur über 16 Priester, die sich um 35 Pfarreien kümmern müssen, erklärte Bischof Dorylas Moreau gegenüber CNS. Zudem gebe es derzeit auch keinen Diakon, der eine Trauung übernehmen könne.

Bischof sprach mit Papst über Priestermangel

Der Priestermangel in seinem Bistum sei bereits Gegenstand eines Gesprächs mit Papst Franziskus gewesen, sagte Moreau am Mittwoch gegenüber "Radio Canada". Im Mai habe er dem Pontifex beim Ad-Limina-Besuch seiner Bischofskonferenz im Vatikan die Lage beschildert. Franziskus habe ihn daran erinnert, dass die Kirche sich in Zukunft stärker um das Wort Gottes als um die Eucharistie drehen würde. Zudem seien auch die Werke der Barmherzigkeit jedes Gläubigen ein wichtiges Fundament der Kirche, berichtete Moreau.

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Laut dem Kirchenrecht kann der Bischof in einer solchen Situation "Laien zur Eheschließungsassistenz delegieren" (c. 1112 §1 CIC/1983). Dazu bedarf es einer Stellungnahme der Bischofskonferenz sowie einer Erlaubnis durch den Heiligen Stuhl. Das entsprechende Schreiben von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung sei bei Thiffault bereits Ende Mai eingegangen, berichtete die Ordensfrau gegenüber dem Radiosender. "Damit wird der Kirche, aber auch mir ein großer Dienst erwiesen. Das ist eine Öffnung gegenüber den Frauen in unserer Gemeinschaft und der ganzen Diözese."

Thiffault: Ich stehe jederzeit wieder bereit

Auch wenn ihre Beauftragung ein Experiment sei, wäre es von Vorteil für die Kirche gewesen, sagte Thiffault dem CNS. So sei ihre Arbeit ein "Werk der Evangelisierung" gewesen. In den Monaten vor der Hochzeit habe sie sich mehrfach mit dem Brautpaar getroffen und sie bei der Vorbereitung auf den Empfang des Sakramentes unterstützt. Sollte es nötig sein, stünde sie gerne auch für weitere Trauassistenzen zur Verfügung. Thiffault gehört laut eigener Aussage seit 55 Jahren den "Sisters of Providence" ("Schwestern der göttlichen Vorsehung") von Montreal an. Der Orden ist vorrangig caritativ tätig. In den ländlichen Gegenden Westkanadas sind die Schwestern zudem in der Seelsorge engagiert. Thiffault ist Pastoralbeauftragte der Nachbarpfarrei von Lorrainville, wo die Hochzeit stattfand. (kim)